Ex-Todeskandidatin US-Gericht weist neue Mordanklage gegen Debra Milke zurück

Die Staatsanwaltschaft in Arizona wollte die ehemalige Todeskandidatin Debra Milke erneut wegen Mordes an ihrem Sohn anklagen. Das Oberste Gericht des Bundesstaats hat das Vorhaben nun gestoppt. Die Ankläger sind erbost.

Ex-Todeskandidatin Milke (bei einer Anhörung im August 2013): Niederlage für die Staatsanwaltschaft
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Ex-Todeskandidatin Milke (bei einer Anhörung im August 2013): Niederlage für die Staatsanwaltschaft


Phoenix - Der ehemaligen Todeskandidatin Debra Milke bleibt ein neuer Mordprozess erspart. Das Oberste Gericht des US-Bundesstaats Arizona hat die Anklage der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

Milke war 1990 zum Tode verurteilt worden, weil sie zwei Männer zum Mord an ihrem vierjährigen Sohn Christopher angestiftet haben soll. Die gebürtige Berlinerin beteuerte stets ihre Unschuld. Die beiden verurteilten Mörder des Jungen sitzen in der Todeszelle und verweigern jede Aussage.

Im Herbst 2013 hatte ein Berufungsgericht das Urteil gegen Milke wegen mangelnder Beweise für ungültig erklärt. Sie kam auf Kaution und mit einigen Einschränkungen frei, nachdem sie 23 Jahre in der Todeszelle auf ihre Hinrichtung gewartet hatte.

Das Oberste Gericht in Phoenix lieferte keine Begründung für die Ablehnung der Anklage. Im Dezember 2014 hatte bereits ein Berufungsgericht den Antrag der Staatsanwaltschaft mit der Begründung zurückgewiesen, dass laut US-Verfassung niemand zweimal für dasselbe Verbrechen vor Gericht gestellt werden dürfe.

Die Ankläger kritisierten die Entscheidung des Obersten Gerichts scharf: "Das ist ein schwarzer Tag für des Justizsystem in Arizona", sagte Staatsanwalt Bill Montgomery dem Onlineportal "AZCentral.com". "Das Oberste Gericht hat Verbrechensopfern, in diesem Fall Christopher Milke, das Recht auf Gerechtigkeit und einen notwendigen Prozess verweigert."

Milkes Anwälte Lori Voepel und Michael Kimerer teilten mit, dass die Anklage gegen ihre 51-jährige Mandantin damit kurz vor der Einstellung stehe. Milke sei "erleichtert, dass in ihrem Fall endlich Gerechtigkeit widerfahren ist und sie Recht bekommen hat", hieß es in der Erklärung der Anwälte. Voepel und Kimerer dankten den Gerichten, "diesem schrecklichen Justizirrtum endlich ein Ende gesetzt zu haben".

In der vergangenen Woche hatte Milke Zivilklage gegen die Stadt Phoenix eingereicht. Sie fordert eine finanzielle Entschädigung für die Zeit in der Todeszelle. In der Begründung heißt es: "Mir wurden 23 Jahre meines Lebens genommen."

syd/dpa/AFP

insgesamt 3 Beiträge
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alzaimar 18.03.2015
1. Schlechte Verlierer und keinen Respekt for der Judikativen
Typisch US-Staatsanwälte: Stärke demonstrieren, oder besser: Borniertheit. Auch ein US-Staatsanwalt sollte sich der Judikativen beugen und die Rechtsprechung anerkennen, zumindest jedoch respektieren. Danach kann es kein "schwarzer Tag für des Justizsystem in Arizona" sein, sondern höchstens ein schwarzer Tag für das Polizeisystem, das notorische Lügner und Speichellecker wie Armando Saldate, den Vollpfosten in Form eines Ermittlers hervorbringt.
manicmecanic 18.03.2015
2. Legal illegal sch...egal ?
Scheint das Motto der Staatsanwaltschaft hier zu sein.Die Gesetze sollen wohl nur gelten wie es denen gefällt.Was ist denn mit dem Grundsatz double jeopardy auf einmal?Es ist nach US Recht absolut ausgeschlossen jemanden 2mal wegen derselben Straftat anzuklagen.Milke wurde aber bereits verurteilt und damit wars das in der Sache.Stattdessen sollten sie mal lieber ihren eigenen Drecksstall ausmisten und den der Polizei.Der LügnerPolizist aufgrund dessen Aussagen die Frau zum Tod ! verurteilt wurde ist schon vorher mit Falschaussagen aufgefallen.
MissMorgan 25.03.2015
3. Verstehe ich auch nicht...
Kennen die Staatsanwälte ihre eigene Rechtsordnung nicht? Anscheinend nicht, das lässt tief blicken, nicht?
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