Exhumierungen Vier weitere mutmaßliche Opfer des Ex-Pflegers Niels H. entdeckt

Niels H. brachte Patienten in Lebensgefahr, um sie zu retten und sich zu profilieren. Mehrere Menschen starben, der Oldenburger Pfleger wurde wegen Mordes verurteilt. Bei Exhumierungen sind Ermittler nun offenbar auf vier weitere Opfer gestoßen.


Bei ihren Ermittlungen zum Ausmaß der Mordserie des Ex-Krankenpflegers Niels H. haben Staatsanwaltschaft und Polizei nach eigenen Angaben vier weitere Verdachtsfälle entdeckt. Das sei das Ergebnis von Exhumierungen und anschließenden toxikologischen Untersuchungen, teilten die Ermittler im niedersächsischen Oldenburg mit. Statt bisher zehn gibt es damit 14 zusätzliche Verdachtsfälle unter gestorbenen Intensivpatienten.

Niels H. war im Februar dieses Jahres vom Landgericht Oldenburg unter anderem wegen zweifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an Patienten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Während des Prozesses hatte er allerdings ausgesagt, insgesamt etwa 30 Patienten des Klinikums Delmenhorst getötet zu haben, indem er ihnen ein hochwirksames Herzmedikament spritzte.

Staatsanwaltschaft und Polizei gründeten daraufhin die Sonderkommission "Kardio", um sämtliche Todesfälle an dem Krankenhaus zu untersuchen, die sich während der Dienstzeit von H. zwischen 2003 und 2005 dort ereigneten. Auch Sterbefälle in Delmenhorst und Wilhelmshaven werden überprüft - insgesamt mehr als 200 Fälle.

Derzeit exhumieren die Ermittler schrittweise die auf verschiedenen Friedhöfen beerdigten ehemaligen Patienten und untersuchen die Leichen auf das von H. benutzte Medikament. Finden sie dieses bei Patienten, bei denen es laut Krankenakte nicht ärztlich indiziert war, gehen sie von einem neuen Verdachtsfall aus. Die Exhumierungen werden sich den Behörden zufolge noch bis nächstes Jahr hinziehen. Danach ist ein neuer Prozess möglich.

H. hatte während des Oldenburger Prozesses angegeben, bei Dutzenden Patienten mithilfe des eigenmächtig verabreichten Herzmittels absichtlich lebensbedrohliche Zustände herbeigeführt zu haben, um sie wiederzubeleben. Rund 30 Menschen überlebten diese Prozedur nach seiner Aussage nicht.

apr/AFP

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