Der Fall Rhys Jones 17-Jähriger wegen Mordes an Elfjährigem angeklagt

Acht Monate ist es her, dass der elfjährige Rhys Jones auf dem Heimweg vom Fußball-Training in seiner Heimatstadt Liverpool hinterrücks erschossen wurde. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft einen 17-Jährigen wegen Mordes angeklagt.


London - Er ist selbst noch nicht volljährig, gilt aber als Hauptverdächtiger: Ein 17-Jähriger wird seit gestern offiziell beschuldigt, den elfjährigen Rhys Jones erschossen zu haben.

Es lägen genug Beweise gegen den Teenager vor, erklärte die Staatsanwaltschaft. Fünf weiteren Verdächtigen, zwei Männern im Alter von 24 und 25 Jahren, sowie drei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren wurde Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Einer von ihnen muss sich nach Angaben der "Times" außerdem wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten. Die sechs wurden jetzt dem Gericht in Liverpool vorgeführt.

Rhys Jones war am 22. August spätnachmittags im Problemviertel Croxteth im Osten Liverpools getötet worden, als er mit seiner Mutter auf dem Heimweg von einem Fußballtraining war. Jemand hatte ihm von einem Fahrrad aus von hinten in den Nacken geschossen. Der Junge starb in den Armen seiner Mutter. Die Ermittler gehen davon aus, dass Rhys versehentlich zwischen die Fronten eines Bandenkrieges geraten war.

Obwohl die Tat tagsüber in der Nähe eines Pubs verübt worden war, kam die Polizei mit ihren Ermittlungen lange Zeit nicht voran. Zwar wurden in den darauffolgenden Tagen fast 20 Menschen vorübergehend festgenommen, für eine offizielle Anklage reichte es jedoch nicht.

In dieser Woche nahmen die Ermittler erneut 13 Verdächtige fest, einige sind jedoch wieder auf freiem Fuß. Dass nun gegen sechs der Verdächtigen Anklage erhoben wurde, wird als Durchbruch in den komplizierten Ermittlungen gewertet.

Der Fall sei sehr schwierig, sagte der Leiter der Ermittlungen, Dave Kelly. Er dankte Rhys' Eltern, Stephen und Melanie Jones, "für ihre Unterstützung und Geduld" während der Ermittlungen. "Sie haben Mut, Stärke und Würde bewiesen während einer Zeit, die für sie wirklich schrecklich gewesen sein muss", sagte Kelly.

Der Tod von Rhys Jones hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und das Land Großbritannien einmal mehr mit dem wachsenden Problem gewaltbereiter Jugendbanden in seinen Großstädten konfrontiert. Allein in London kam es im vergangenen Jahr immer wieder zu tödlichen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen.

bel/AFP/dpa



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