Prozess in Detmold Gericht verurteilt jungen Raser zu vier Jahren Haft

Mehrfach fuhr er ohne Führerschein, im vergangenen Oktober lieferte er sich dann eine Verfolgungsjagd mit der Polizei – und raste an einer Schülergruppe vorbei. Nun muss der 21-Jährige dafür ins Gefängnis.
Angeklagter im Landgericht Detmold: Flucht mit hohem Tempo und ohne Führerschein

Angeklagter im Landgericht Detmold: Flucht mit hohem Tempo und ohne Führerschein

Foto: David Inderlied / dpa

Gut ein halbes Jahr nach seiner rasanten Flucht vor der Polizei in Lemgo im Kreis Lippe ist ein Autofahrer zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die Jugendkammer des Landgerichts Detmold sprach den heute 21-Jährigen der vorsätzlichen Straßenverkehrsgefährdung sowie weiterer Verkehrsdelikte schuldig.

Der polizeibekannte Familienvater war im vergangenen Oktober zufällig an Polizisten vorbeigefahren. Die Beamten erkannten den Mann und gingen davon aus, dass er keine Fahrerlaubnis besitzt. Daraus entwickelte sich dann eine Verfolgungsjagd in und um Lemgo. Die Beamten im Streifenwagen konnten den Raser nicht stoppen.

Anklage wegen versuchten Mordes

»Wir haben keine Zweifel, dass das alles gefährlich war«, sagte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda bei der Urteilsverkündung. Das Gericht berücksichtigte auch, dass der Mann wiederholt ohne Führerschein gefahren war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Angeklagt war der Raser auch wegen versuchten Mordes, weil die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass er bei der Flucht vor dem Streifenwagen den Tod von Fußgängern in Kauf genommen habe, um sich der Polizeikontrolle zu entziehen. Er habe verdecken wollen, dass er ohne Führerschein und in einem nicht versicherten und mit falschen Kennzeichen versehenen Fahrzeug unterwegs war. Dieser Argumentation folgte das Gericht jedoch letztlich nicht.

Angeklagter bestritt Gefährdung von Schülergruppe

Im Prozess ging es insbesondere um eine Schülergruppe an der Fluchtstrecke des Mannes. Der 21-Jährige hatte die Flucht mit weit überhöhtem Tempo durch Wohngebiete eingeräumt, eine Gefährdung der Schüler jedoch bestritten.

Auch die Staatsanwaltschaft hielt in ihrem Plädoyer letztlich nicht am Vorwurf des versuchten Mordes fest und forderte eine Strafe von vier Jahren und neun Monaten. »Ich bin überzeugt, dass er mit Leib und Leben von Kindern gespielt hat«, sagte Staatsanwalt Christopher Imig. »Ein versuchter Mord war das nicht«, sagte hingegen Verteidiger Sascha Haring. Er hatte auf eine Strafe von zwei Jahren und neun Monaten plädiert.

fek/dpa
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