Deutsche Bahn Bedrohung aus dem Ticketautomaten

Der Sachschaden ist hoch, die Beute meist gering: Unbekannte füllen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn mit Gas und sprengen sie. Detonieren die Geräte nicht auf Anhieb, besteht Gefahr für Kunden. Deshalb will das Unternehmen nun die Überwachung verstärken.

Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn in Wiesbaden: Gefahr durch manipulierte Geräte
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Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn in Wiesbaden: Gefahr durch manipulierte Geräte

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Wiesbaden - Die Aufregung war groß in Karben, einem 20.000-Einwohner-Städtchen nördlich von Frankfurt am Main. Ein Gleis im S-Bahnhof Groß-Karben musste für mehrere Stunden gesperrt werden. Mit einem Gasgemisch hatten Unbekannte versucht, einen Fahrkartenautomaten in die Luft zu sprengen. An dem Gerät waren alle Öffnungen abgedichtet, Beamte der Bundespolizei nahmen zudem Gasgeruch war. Spezialisten des hessischen Landeskriminalamts (LKA) rückten an, näherten sich in weißen Schutzanzügen dem Automaten und entschärften ihn, indem sie vorsichtig die Versiegelung lösten.

Der Fall vom Dienstag ist der jüngste in einer ganzen Serie. Unbekannte Täter hätten in den vergangenen Monaten mehrfach alle Spalten, Schlitze und Öffnungen der Ticketautomaten mit Klebestreifen abgedichtet, teilte das LKA mit. Dann seien die Automaten mit Gas gefüllt und gesprengt worden. Bislang seien 16 dieser Fälle aus Hessen bekannt, sagte LKA-Sprecher Udo Bühler, der erste sei Anfang April registriert worden. In Thüringen und Niedersachsen habe es bereits im Februar und März ähnliche Vorfälle gegeben.

Nicht immer kam es jedoch zu Explosionen. Zehnmal seien Automaten in Hessen erfolgreich gesprengt worden, so Bühler, sechsmal scheiterten die Sprengversuche der Täter. "Das sind die gefährlichen Fälle", sagte der LKA-Mann. Wegen des explosiven Gasgemischs könne es jederzeit auch unbeabsichtigt zur Zündung kommen. Bühler rief Bahnreisende dazu auf, sich von einem solchen Automaten mit Klebestreifen weiträumig zu entfernen und umgehend die Polizei zu informieren. Auch die Bahn bittet ihre Kunden um erhöhte Aufmerksamkeit.

Hoher Sachschaden, geringe Beute

Die Explosionen seien in einigen Fällen durch mit brennbarer Flüssigkeit getränkte Lappen ausgelöst worden, die angezündet in den Auswurfschlitz geworfen worden seien, sagte LKA-Sprecher Bühler. Die Ermittler vermuten, dass Butan- oder Propangas zum Einsatz gekommen sein könnte - eine Methode, mit der Kriminelle seit geraumer Zeit bereits Geldautomaten in Banken sprengen. Die Täter suchen sich offenbar Ziele an kleinen, wenig frequentierten Bahnhöfen aus. Die gesprengten Geräte befanden sich laut LKA nicht in Bereichen, die von Videokameras überwacht werden. Eine Spur oder Hinweise auf die Identität der Täter haben die Ermittler daher bislang nicht.

Anfang Mai war in Ortenberg ein Ticketautomat explodiert. Wochen später schlugen unbekannte Täter im südhessischen Münster zu. Mitten in der Nacht sprengten sie laut Polizei einen Fahrkartenautomaten auf dem Bahnhofsvorplatz auf und flüchteten mit dem erbeuteten Bargeld.

"Obwohl die Täter keine große Summen Bargeld erbeuten, scheint hier eine Gruppe Krimineller aktiv zu sein", sagte ein Bahn-Sprecher. Im Vergleich zur Beute sei jedoch ein relativ hoher Sachschaden entstanden, sagte LKA-Mann Bühler. Pro gesprengtem Gerät liege dieser etwa zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Zur exakten Höhe der Beute wurden bislang keine Angaben gemacht.

"In mindestens zwei Fällen ist auch das Papier für die Fahrkarten aus den Automaten entwendet worden", sagte Bühler. Möglicherweise könnten die Täter also versuchen, die Blanko-Tickets zu bedrucken und gefälschte Fahrkarten zu Geld zu machen.

Die Bahn habe "auf kriminelle Angriffe auf ihre Fahrkartenautomaten" reagiert, teilte das Unternehmen mit. Die Geräte sollen nun stärker kontrolliert und verstärkt überwacht werden. Es bestehe kein Anlass zur Panik, aber doch zu verstärkter Beobachtung der Automaten - "gerade auch in Bahnhöfen, die nicht so stark vom Publikum frequentiert sind", sagte der Bahn-Sprecher.



insgesamt 19 Beiträge
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carolian 30.05.2013
1. Im Physikunterricht nee 6
Und wie soll das nur sehr zufällig zündfähige Luft-Gas-Gemisch gezündet werden? Indem der alarmierte Kunde einen brennenden Streichholz in den Schlitz steckt? Von selbst kann sich das nicht zünden. Ein alter Geldautomat ist doch kein Diesel. Weder die Elektronik noch der Drucker sprühen Funken bei der Arbeit! Es ist absoluter Blödsinn, was hier das BKA behauptet.
osis1980 30.05.2013
2. optional
Einfach Autotmaten und Personal in die Züge... Und nicht jede Provinzstation mit den Dingern ausstatten. Dann hat manw eniegr Diskussionen wenn die Dinger defekt sind und weniger Streß beim Kartenkauf.
flüchtig 30.05.2013
3. Schon merkwürdig!
Seit mehr als 20 Jahren gibt es solche Automaten schon, aber erst in den letzten 2 - 3 Jahren werden die Dinger *ausgeraubt* ?!? So viel kann doch da gar nicht drin sein! Ob es da Zusammenhänge gibt?!?
wschwarz 30.05.2013
4. Irgendeine
Zitat von sysopDPADer Sachschaden ist hoch, die Beute meist gering: Unbekannte füllen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn mit Gas und sprengen sie. Detonieren die Geräte nicht auf Anhieb, besteht Gefahr für Kunden. Deshalb will das Unternehmen nun die Überwachung verstärken. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/deutsche-bahn-lka-hessen-warnt-vor-explosiven-fahrkartenautomaten-a-902755.html
Gelegenheit musste es doch geben, damit die Überwachung verstärkt werden kann. Drohnen wären nicht schleecht.
pete84 30.05.2013
5. Physik 1
@ Carolian: Das BKA hat schon berechtigte Gründe, davor zu warnen. Unter Umständen können Menschen statisch aufgeladen sein, das kann reichen um ein Gas-Luft-Gemisch zu entzünden.
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