Trotz Protesten Bischöfe gegen höhere Schmerzensgelder für Missbrauchsopfer

Maximal 50.000 Euro erhalten Missbrauchsopfer von der katholischen Kirche. Kritiker finden den Betrag »lächerlich niedrig«. Die Bischöfe wollen an der Praxis aber keine grundlegenden Änderungen vornehmen.
Protestaktion vor dem Dom in Fulda

Protestaktion vor dem Dom in Fulda

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Peter Back / imago images/Future Image

Trotz anhaltender Kritik von Missbrauchsopfern hält die katholische Deutsche Bischofskonferenz an ihrer Regelung zur Zahlung von Schmerzensgeldern fest. Die Bischöfe wollten sich weiter an den Schmerzensgeldzahlungen staatlicher Gerichte orientieren, sagte der Vorsitzende Georg Bätzing zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda. Derzeit gebe es noch rund tausend offene Fälle im System der Anerkennungsleistungen.

Am Rande der Bischofskonferenz hatte es erneut Proteste gegen die Entschädigungspraxis in Deutschland gegeben, die maximal 50.000 Euro an Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer vorsieht.

Mehrere Opferinitiativen hatten der katholischen Kirche zum Auftakt einen »unsäglichen Umgang mit den Betroffenen sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen« vorgeworfen. Der von den Bischöfen vorgegebene Zahlungsrahmen der Anerkennungszahlungen bis 50.000 Euro sei »lächerlich niedrig«, sagten Vertreter des Aktionsbündnisses Betroffeneninitiativen sowie der Giordano-Bruno-Stiftung. Die konkreten Entscheidungen der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen »übertreffen unsere schlimmsten Befürchtungen bei Weitem«, hieß es weiter.

Der Skandal um sexuellen Missbrauch stand im Fokus der Herbstvollversammlung. Dabei habe man »wieder Schritte nach vorne getan«, sagte Bätzing. So sei eine Standard-Personalaktenordnung verabschiedet worden, die zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten werde, sowie eine Musterordnung, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür schaffe, damit Aufarbeitungskommissionen Akteneinsicht nehmen könnten. »Das sind sehr wichtige Versprechen, die wir 2018 gegeben haben und jetzt einlösen«, sagte Bätzing.

Retraumatisierungen der Opfer

Eine grundlegende Änderung des vor allem von Opferinitiativen vielfach kritisierten Systems der Anerkennungsleistungen sei derweil nicht geplant, sagte der DBK-Vorsitzende. Wohl aber gebe es Überlegungen, wie nachjustiert werden könne, auch nachdem man die Rückmeldung bekommen habe, dass es im Rahmen des Systems der Anerkennungszahlungen teils zu Retraumatisierungen der Opfer komme. Man müsse dieses »dunkelste Kapitel« prioritär behandeln, auch er wolle sich dieser Herausforderung stellen, sagte Bätzing.

Deutlich sei auch geworden, dass die derzeitige Struktur der Aufarbeitung, die der Trierer Bischof Stephan Ackermann als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs leiste, nicht mehr ausreiche und auf eine breitere Basis gestellt werden müsse, so Bätzing. Daher hätten die Bischöfe auf Vorschlag Ackermanns beschlossen, ein Konzept zur Weiterentwicklung des Aufgabenbereichs zu erarbeiten. Klar sei: »Das Thema Missbrauch lässt uns nicht los, es wird uns lange nicht loslassen.«

Als nächster Schritt ist Mitte Oktober ein Gespräch zwischen Vertretern der Betroffenen-Beiräte, der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen, der Ordensoberenkonferenz sowie der Deutschen Bischofskonferenz geplant. Dabei sollten die Kritikpunkte an dem System noch einmal erörtert und mögliche Maßnahmen besprochen werden.

ptz/dpa/AFP
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