Deutsche Islamisten Terrorverdächtige wollten Frauen und Kinder verschonen

Drei Autobomben mit je bis zu 250 Kilogramm Sprengstoff - der Anschlag, den die drei im Sauerland verhafteten Islamisten planten, wäre verheerend gewesen. Nach SPIEGEL-Informationen wollten die drei Terrorverdächtigen offenbar gezielt Amerikaner töten, nicht aber Frauen und Kinder.


Hamburg - Wie aus abgehörten Gesprächen hervorgeht, visierten die Islamisten als mögliche Ziele unter anderem die US-Basis Ramstein an. Supermärkte zu attackieren, verwarfen die Verdächtigen hingegen, weil unter den potentiellen Opfern zu viele Frauen und Kinder gewesen wären.

Mittlerweile haben die Ermittler auch rekonstruiert, woher insgesamt 26 militärischen Zünder stammen, die bei der Festnahme des Trios im Sauerland gefunden worden waren. In einer Vernehmung vor dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe räumte ein 15-jähriger Deutsch-Tunesier ein, die Zünder unwissentlich in einer Plastiktüte von Istanbul nach Niedersachsen transportiert zu haben. Die Detonatoren waren in den Absätzen von zwei Schuhen versteckt, die die Ermittler später aufgesägt vorfanden.

In Braunschweig übergab der 15-Jährige die Schuhe mit den Zündern am 26. August an den deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz, einen der drei festgenommenen Islamisten.

Nach Erkenntnissen der Ermittler drängte die Führung der mysteriösen "Islamischen Dschihad Union" (IJU) aus Pakistan und Iran im Laufe des August darauf, die Deutschen sollten sich beeilen. In einer abgefangenen Nachricht forderte ein mutmaßlicher IJU-Vertreter mit dem Pseudonym "Jaf", die Deutschen sollten die "Prüfung ablegen". Am 24. August wandte sich deshalb Adem Y. an Fritz Gelowicz: "Der Chef meint, wir müssen diese Sache in 15 Tagen erledigen, wenn nicht, müssen wir zurück." Am 4. September wurde das Trio verhaftet.

Kauf von Chemikalien soll erschwert werden

Um Terroristen den Bau von Bomben zu erschweren, plant die Bundesregierung, den Verkauf bestimmter Chemikalien schärfer zu kontrollieren. Laut Plänen des Bundesumweltministeriums in Berlin dürfen künftig neun Chemikalien, die als Grundstoffe für Bomben geeignet sind, nur noch nach einer Registrierung der Käuferpersonalien in einem "Abgabebuch" ausgehändigt werden. Der Verkauf der Chemikalien an Privatleute über den Versandhandel soll ganz verboten werden.

Geprüft wird zudem, ob die Weitergabe der Personalien von Kunden an die Sicherheitsbehörden möglich ist. Händler dürften Chemikalien dann nur verkaufen, wenn das Einverständnis des jeweils zuständigen Landeskriminalamts vorliegt. In einem Brief an die Amtschefs der Umweltministerien der Länder mahnt der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig, seine Länderkollegen zu erhöhter Wachsamkeit.

Die Landesbehörden sollten "Sorge tragen, dass die Überwachung der Abgabe der neun Sprengstoffgrundstoffe auch auf Behördenseite intensiviert wird", schreibt Machnig. Ziel müsse es sein, bei den Händlern das Problembewusstsein zu schärfen. Zu den Stoffen, die unter die Regelung fallen, gehört neben Ammoniumnitrat und Natriumchlorat auch Wasserstoffperoxid ab einer Konzentration von zehn Prozent.

Zwölf Kanister mit der Chemikalie waren im Sommer bei der Festnahme der Sauerländer Gruppe mutmaßlicher islamistischer Terroristen in Baden-Württemberg sichergestellt worden. Die Männer hatten die Kanister legal über einen Online-Händler in Hannover bezogen.

ssu



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.