Statistik Deutsche Polizisten erschossen 2016 elf Menschen

Verglichen mit den USA gibt es in Deutschland deutlich seltener tödliche Schüsse aus einer Polizeipistole, wie eine neue Statistik zeigt. Dennoch mahnt ein Forscher eine bessere Ausbildung für Beamte an.
Polizist zückt Dienstpistole

Polizist zückt Dienstpistole

Foto: Friso Gentsch/ picture alliance / dpa

Polizisten haben bei Einsätzen in Deutschland im vergangenen Jahr elf Menschen erschossen. Wie aus einer Erhebung der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht, verletzten Beamte mit ihrer Dienstpistole zudem 28 Menschen.

Die Todesfälle gehen der Statistik zufolge allesamt auf Notwehr oder Nothilfe zurück - also auf Fälle, bei denen Polizisten sich oder anderen Menschen in Lebensgefahr helfen mussten. Insgesamt richteten Polizisten den Angaben zufolge in 52 Fällen die Schusswaffe gegen Menschen.

Höhere Zahlen als im Vorjahr

Die Zahlen liegen etwas höher als in den Vorjahren. 2015 starben zehn Menschen, 22 wurden verletzt, 2014 waren es sieben Tote und 30 Verletzte, 2013 acht Tote und 20 Verletzte.

In Sachsen-Anhalt hatte die Polizei erst am Dienstag einen 28-Jährigen erschossen, der nach einem Familienstreit auf die Beamten feuerte. Beim Einsatz von Spezialkräften während der G20-Krawalle in Hamburg war der Schusswaffengebrauch zur Eigensicherung freigegeben, wie ein SEK-Führer sagte.

In den USA gibt es deutlich mehr Fälle. Laut einer Erhebung der "Washington Post"  töteten Polizisten in den USA im vorigen Jahr 963 Menschen. Auch wenn man die Einwohnerzahlen berücksichtigt - etwa 324 Millionen in den USA, etwa 81 Millionen in Deutschland -, dann ist die Zahl der tödlichen Polizeischüsse in den USA mehr als 20 Mal so hoch wie in Deutschland.

Der Bochumer Kriminologe Thomas Feltes sagte, es gebe in Deutschland keine "schießwütige" Polizei. "Nach wie vor benutzen die allermeisten Polizeibeamtinnen und -beamten ihre Dienstwaffe ein Leben lang ausschließlich auf dem Schießstand."

Zugleich betonte der Forscher, bei den meisten tödlichen Schüssen seien die Opfer psychisch krank. "Hier haben wir tatsächlich eine Zunahme und den dringenden Bedarf nach mehr Fortbildung für die Polizei." Viele Beamte seien nicht im Umgang mit psychisch gestörten Personen geschult.

sms/dpa
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