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Wichtigster V-Mann packt aus "Ich verfluche den Tag, an dem ich Anis Amri begegnet bin"

Fast 20 Jahre lang jagte Murat Cem als V-Mann Verbrecher, bis er an seinem letzten Fall zerbrach: Den Berliner Attentäter konnte er nicht aufhalten. Einer der meistgelesenen SPIEGEL+-Artikel des Jahres.
aus DER SPIEGEL 11/2020
V-MANN CEM: Nach dem Anschlag von Anis Amri ließ die Polizei ihn fallen. Heute lebt er mit seiner Familie im Zeugenschutzprogramm an einem geheim gehaltenen Ort.

V-MANN CEM: Nach dem Anschlag von Anis Amri ließ die Polizei ihn fallen. Heute lebt er mit seiner Familie im Zeugenschutzprogramm an einem geheim gehaltenen Ort.

Foto: Marcus Simaitis für den SPIEGEL

Murat Cem saß am Vormittag des 21. Dezember 2016 in seinem Wohnzimmer und sah fern. Zwei Tage zuvor hatte ein Mann einen Lastwagen in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gelenkt, elf Menschen totgefahren, Dutzende verletzt und den polnischen Fahrer erschossen. In den Nachrichten hieß es nun, der unbekannte Täter sei auf der Flucht.

Cems Handy klingelte.

"Ja, hallo?"

In fast 20 Jahren Arbeit für die Polizei hatte Murat Cem sich abgewöhnt, seinen Namen am Telefon zu nennen. Er fürchtete, sich sonst zu verraten.

Am anderen Ende war ein Polizist, der ihn lange kannte. Er sagte diesen einen Satz: "Es war Anis Amri."

Cem hatte in diesem Moment Schwierigkeiten zu atmen, die Tränen stiegen ihm in die Augen, so schildert er es heute. Der Beamte sagte, Amri sei auf der Flucht, jeder Hinweis könne helfen, ihn zu fassen. Cem stammelte: Frankreich vielleicht, Italien. Er glaube nicht, dass Amri sich festnehmen lasse. "Ich denke, dass der sich eher erschießen lässt, als dass er in Haft kommt." Er erinnerte daran, wie gefährlich Amri sei. Dann legten die beiden auf.

Als bald darauf Amris Bild im Fernsehen auftauchte, befiel Cem eine tiefe Traurigkeit. Manchmal sucht sie ihn noch heute heim.

Murat Cem kannte Anis Amri besser als jeder Polizist. Er kannte ihn wahrscheinlich besser als die meisten Gesinnungsgenossen des Islamisten. "Es gab Tage", sagt Cem, "an denen brachte ich Amri abends ins Bett und holte ihn morgens wieder ab."

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