Prozess in Missoula Direns tödliche Mutprobe

Es war nicht die erste Garage: Im Prozess um den Tod von Diren Dede hat sein bester Freund vor Gericht ausgesagt. Für den deutschen Austauschschüler war "Garage Hopping" ein Spiel - um zu beweisen, "dass er keine Angst hatte".

Freunde trauern um Diren Dede: Robby P. hörte einen Schuss und flüchtete
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Freunde trauern um Diren Dede: Robby P. hörte einen Schuss und flüchtete


Missoula - Der in Montana erschossene deutsche Austauschschüler Diren Dede ist nach Angaben seines besten Freundes schon früher einmal in eine fremde Garage gegangen. Es sei eine Mutprobe gewesen, sagte Robby P. aus Ecuador im Prozess gegen den Todesschützen Markus Kaarma. "Er wollte den anderen Jungs zeigen, dass er mutig war und keine Angst hatte." Sie seien mehrfach beim sogenannten Garage Hopping dabei gewesen. "Niemand hat uns gesagt, dass man dabei erschossen werden kann," sagte der 19-Jährige, der für den Prozess aus Ecuador eingeflogen war.

In der Nacht zum 27. April gingen die beiden Jugendlichen spazieren und rauchten Mini-Zigarren mit Fruchtgeschmack, erzählte der ehemalige Austauschschüler im Zeugenstand. Sie unterhielten sich über Pumas, die in Missoula gesichtet worden waren. "Wir stellten uns vor, wir würden einem Puma begegnen, da würden wir uns in die Hose machen", sagte P. Als sie an der zu drei Vierteln offen stehenden Garage von Markus Kaarma vorbeikamen, sei Diren hineingegangen. "Ich hörte jemanden laut 'Ich sehe dich' rufen", sagte Robby P. Als er einen Schuss hörte, ergriff er die Flucht.

Robby P. rannte zum Haus der Gasteltern von Diren, wo er oft am Wochenende übernachtete. Er zog sich erst um, bevor er Direns Gastvater Randy Smith erzählte, was passiert war. Sie gingen zusammen zum Haus von Kaarma und sahen dabei den mit Blaulicht vorbeifahrenden Krankenwagen. Robby P. beschrieb der Polizei, was sein Freund angehabt hatte. Den Rest der Nacht verbrachte er auf der Polizeiwache.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Hausbesitzer vor, den 17-jährigen Diren vorsätzlich erschossen zu haben. Laut Gerichtsmediziner starb Diren Dede durch einen Kopfschuss. Die Verteidigung dagegen argumentiert, Kaarma habe seine Familie vor einem Einbrecherring schützen wollen. In Montana und vielen anderen US-Bundesstaaten dürfen Hausbesitzer tödliche Gewalt anwenden, sofern nachvollziehbar ist, dass sie um Leib und Leben fürchteten.

brk/AFP/AP



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paul.fisch 09.12.2014
1. Zum Teil selber schuld...
Es tut mir leid, die Geschichte is traurig und der US Bürger, dem das Haus gehört hätte sicher nicht schießen sollen. Doch in fremde Garagen als Mutprobe zu gehen ist dumm und man geht dabei natürlich das Risiko ein, für einen Einbrecher gehalten zu werden. Da in den USA Waffen erlaubt sind und ein Einbrecher solche haben könnte, ist es teiweise verständlich, dass der Hausbesitzer geschossen hat. Wegen Mordes kann man ihn nicht verurteilen. Was würde man selber denken, wenn jemand nachts in die eigene Garage einsteigt?
Traudhild 09.12.2014
2.
Aha- da fällt wohl die Mär vom unschuldigen Jüngling mehr und mehr wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
mmkkrr 09.12.2014
3. Eine Schande, aber zu erwarten
Es ist wahrlich eine Schande was dem jungen Mann zugestossen ist. Allerdings muss man ganz klar sagen, dass in den USA, JEDER der ein wenig Verstand hat, weiss, dass der Gebrauch von Schusswaffen auf privatem Grundstueck (siehe stand my ground law) unbedingt zu erwarten ist. Ich selber lebe in den USA seit 2007 und finde die Gesetzgebung absolut fragwuerdig. Als Austauschschueler muss man sich aber dem oertlichen Gesetzt anpassen und eben so einen Scheissdreck lassen. Beileid an die Familie.
David Caietan 09.12.2014
4. Mord.
Diren hat einen Fehler gemacht. Einen Dummejungen-Fehler. Und dafür musste er mit seinem Leben bezahlen. Immer mehr kristallisiert sich jedoch heraus, dass er das Opfer eines berechnenden, zugekifften Psychopathen wurde, der nicht nur Direns Tod in Kauf genommen hat, sondern ihn gewollt hat. Wer jetzt noch immer an Selbstverteidigung oder gar Notwehr glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Kaarma schoss nicht mit einem Schnellfeuergewehr, er musste nach jedem Schuss nachladen (to pump). Spätestens nach dem ersten Treffer im Arm wird Diren Dede "No, no, no, please!" geschrieen haben - so wie es die Freundin von Kaarma in ihrer ersten Aussage berichtete. Dass Kaarma dann noch mehrmals schoss, Diren eventuell sogar mit dem letzten Schuss (nach einer Pause) gezielt 'hinrichtete', qualifiziert ihn als kaltblütigen Mörder.
Ursprung 10.12.2014
5. Idiotischer Kopfschuss auf einen Idiot
Also, wenn solche Berichte auch nur halbwegs das wirkliche Geschehen nachzeichnen, ist festzuhalten, dass ein Halbwuechsiger wohl zu wenig nachgedacht hat, bevor er ausgerechnet im Privat-Waffenfanatikerstaat USA sich auf "Mutproben" versuchter Hausfriedenbrueche einlaesst. Ganz unabhaengig davon, dass nicht ganz zurechnungsfaehige Leute natuerlich keinesfalls unueberlegt und panikartig anderen ungeahndet in den Kopf schiessen duerften.
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