Todesschütze im Fall Diren Dede "Es tut mir Leid"

Bisher war der Todesschütze des Hamburger Austauschschülers Diren nicht durch Reue aufgefallen. Einen Tag nach dem Schuldspruch sagt Markus Kaarma nun: "Es tut mir Leid." Ihm droht lebenslange Haft.

Markus Kaarma vor Gericht: Tödliche Schüsse in der Garage
REUTERS

Markus Kaarma vor Gericht: Tödliche Schüsse in der Garage


Missoula - Der US-amerikanische Todesschütze des deutschen Austauschschülers Diren hat sich einen Tag nach seinem Schuldspruch erstmals reuevoll geäußert. "Ich hatte niemals die Absicht, jemanden zu töten", sagte Markus Kaarma bei einer gerichtlichen Anhörung in Missoula im US-Bundesstaat Montana. "Es tut mir leid."

Kaarma war am Mittwoch schuldig gesprochen worden. Er hatte den 17-Jährigen Diren Dede am 27. April erschossen, nachdem der Teenager aus Hamburg in seine Garage eingedrungen war. Über die Höhe der Strafe ist noch nicht entschieden.

Kaarma hatte sich bisher wenig schuldbewusst gezeigt. Er berief sich auf die "Castle Doctrine", die den Schutz des eigenen Hauses rechtfertigt - notfalls auch mit tödlicher Gewalt. Dass ihm wegen vorsätzlicher Tötung der Prozess gemacht wurde, hatte er in einem Telefonat aus der Haft heraus als "unglaublich" bezeichnet. "Alle sollten sich freuen, dass unsere Gegend jetzt sicherer ist - verdammte Idioten", sagte er in dem Gespräch mit seiner Frau.

Auch Direns Eltern äußerten sich in der Anhörung am Donnerstag. "Amerika war ein Traum für ihn", sagte der Vater über seinen Sohn. Der Tod habe sein Leben und das seiner Familie für immer zerstört. Die Mutter brach bei ihren Äußerungen, die aus dem Türkischen übersetzt wurden, in Tränen aus. "Ich konnte nur noch seinen kalten Körper küssen", schluchzte sie.

Die Äußerungen der Eltern können bei der Festsetzung des Strafmaßes berücksichtigt werden. Die Strafe soll am 11. Februar verkündet werden.

hut/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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patrick6 18.12.2014
1. Es stellt sich natürlich immer noch die Frage...
...was der Junge da eigentlich zu suchen hatte. Muss man bei einem nächtlichen, offenbar unrechtmässigen Eindringen in ein amerikanisches Anwesen nicht grundsätzlich (bei der dort hohen Waffenbesitzdichte) mit drastischen Abwehrreaktionen rechnen? Auch wenn der Schütze offenbar ziemlich bekloppt ist - der Junge war auch nicht gerade Einstein.
siamkatz 18.12.2014
2. Albtraum Knast
Der Gedanke daran, auch nur eine Woche in einen US-amerikanischen Gefängnis zu verbringen würde bei mir auch Selbstmitleid zu Tage bringen. Bei derartig drakonischen, unmenschlich langen Haftstrafen tut mir sogar ein Mörder Leid.
mightyschneider 18.12.2014
3.
In einem Land, wo Diebstahl und Hausfriedensbruch als "Mutprobe" verniedlicht wird, wundert mich nichts mehr.
tombrok 18.12.2014
4.
der Junge war siebzehn, kein erwachsener Mann, hatte vmtl. einen intus und in ner kompletten Ausnahmesituation, naemlich einem Auslandsjahr. Man haette ihm wegen Einbruch den Prozess maxmchen koennen, klar, aber hier hat n daemlicher Wichtigtuer das Gesetz in die Hand genommen und das gehoert eben bestraft.
David Caietan 18.12.2014
5. Späte Reue
Dieser Satz "Ich hatte niemals die Absicht, jemanden zu töten" klingt, wenn man die ermittelten Tatumstände berücksichtigt, wenig glaubhaft. - Dennoch: besser eine späte Reue, als gar keine. Und ich hoffe, dass keine Berechnung dahintersteckt.
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