Fall Diren D. Schütze plädiert vor Gericht auf unschuldig

Er habe geschossen, weil er sich bedroht gefühlt habe: Der Hausbesitzer, der den deutschen Austauschschüler Diren D. erschossen hat, beharrt weiter auf Notwehr. Bei einer Anhörung vor Gericht wies er die Schuld für die Tat von sich.

Kerzen und Blumen für Diren in Hamburg: Hunderte stellen sich hinter die Familie
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Kerzen und Blumen für Diren in Hamburg: Hunderte stellen sich hinter die Familie


Missoula - Die Aussage war wenig überraschend: Nach den tödlichen Schüssen auf den Hamburger Austauschschüler Diren D. hat sich der Hausbesitzer erneut auf Notwehr berufen. Vor dem Bezirksgericht in Missoula im US-Bundesstaat Montana plädierte er am Mittwoch auf unschuldig.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29-Jährigen die vorsätzliche Tötung des 17-Jährigen vor. Er soll D. Ende April in seiner Garage absichtlich erschossen haben. Der Angeklagte hingegen beteuert, sich bedroht gefühlt zu haben.

Der Teenager aus Hamburg-Altona war nach bisherigen Erkenntnissen am 28. April nachts in die Garage des Angeklagten eingedrungen - warum, ist noch nicht klar. Der Hausbesitzer wurde von Bewegungsmeldern alarmiert und feuerte viermal mit der Schrotflinte in die Garage. Diren D. wurde von den Kugeln am Kopf und am Arm getroffen und starb im Krankenhaus. Ein Begleiter flüchtete.

Der Staat Montana räumt zwar für die Verteidigung des eigenen Hauses das Recht auf Notwehr mit Waffengewalt ein. Laut Anklageschrift stellte der Mann aber nach mehreren Einbrüchen potenziellen Dieben eine Art Falle. Einer Zeugin zufolge soll er darauf gewartet haben, jemanden zu fassen und zu erschießen.

Der türkischstämmige Diren D. war im August für ein Jahr in die USA gekommen und besuchte in Missoula eine Highschool. Vor rund zwei Wochen wurde er in der Türkei bestattet. Der Vater des Verstorbenen hatte die Waffenrechte in den USA scharf kritisiert. Bei einem Trauermarschin Hamburg Anfang Mai stellten sich Hunderte Menschen hinter die Familie.

Bezirksrichter Ed McLean setzte den nächsten Gerichtstermin auf den 25. Juni an. Auf vorsätzliche Tötung stehen zehn bis hundert Jahre Haft.

vks/dpa/AFP

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spon-facebook-10000449440 22.05.2014
1. Frage?
Das er in ein fremdes Haus eingedrungen ist, wird als unkritisch angesehen? Klar sind diese Waffengesetze zu verachten. Aber ist es wirklich in Ordnung, dass man sich dort einen Volkssport daraus macht in Garagen einzudringen. Was wenn das mal anderherum ausgeht und die Täter solch einen Ausfall haben und sich vom Besitzer bedroht fühlen.
Promethium 22.05.2014
2.
Zitat von spon-facebook-10000449440Das er in ein fremdes Haus eingedrungen ist, wird als unkritisch angesehen? Klar sind diese Waffengesetze zu verachten. Aber ist es wirklich in Ordnung, dass man sich dort einen Volkssport daraus macht in Garagen einzudringen. Was wenn das mal anderherum ausgeht und die Täter solch einen Ausfall haben und sich vom Besitzer bedroht fühlen.
Das spielt schon eine Rolle, denn sonst wäre es nicht vorsätzliche Tötung sondern Mord und das könnte in Montana sogar die Todesstrafe bedeuten. Warum? Montana ist so dünn besiedelt, das es immer sehr lange dauert bis die Polizei kommt. Da müssen sich die Leute schon selber verteidigen.
Seidel 22.05.2014
3. Jedes Land hat seine eigenen Gesetze!
In Deutschland bekommt man mit Glück Bewährung und Geldstrafe. Im Iran werden die Hände abgehackt. In den USA wird man erschossen. So leid es mir auch tut, für Angehörige und Freunde, als junger Mensch weiß man genau auf was man sich in Amerika einlässt. Und wenn man Nachts in einer Garage rumwühlt, sucht man dort bestimmt keinen verloren gegangenen Fußball.
Hans58 22.05.2014
4.
Fall Diren D.: Schütze plädiert vor Gericht auf unschuldig Was erwartet denn die Redaktion? Dass sich der Schütze für schuldig bekennt? Auf "nicht schuldig" zu plädieren, ist die einzige Möglichkeit, aus der Sache noch einigermaßen glimpflich davon zu kommen.
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