Vater des toten Austauschschülers "Amerika kann nicht Cowboy spielen"

Der Vater des getöteten Diren D. geht die USA hart an, "wo jeder jemanden erschießen kann". Jetzt kehrt der 46-Jährige mit der Leiche seines Sohnes zurück.

Trauerplakat in Hamburg: Vater holt toten Sohn in die Hansestadt zurück
DPA

Trauerplakat in Hamburg: Vater holt toten Sohn in die Hansestadt zurück


Missoula/Hamburg - Der Vater des in Missoula getöteten Gastschülers Diren D. hat die laxen Waffengesetze in den USA scharf kritisiert. "Amerika kann hier nicht weiterhin Cowboy spielen", sagte der 46-Jährige. Derzeit hält er sich in den USA auf und will am Freitag mit der Leiche seines Sohnes nach Deutschland zurückkehren.

"Ich habe mir nicht eine Nacht darüber Gedanken gemacht, dass hier jeder jemanden erschießen kann, nur weil er in seinen Garten gekommen ist." Andernfalls hätte er seinem Sohn, der in der Nacht zum Sonntag erschossen worden war, den Schüleraustausch im US-Staat Montana keinesfalls erlaubt.

Er sei am Anfang dagegen gewesen, dass sein Sohn nach Amerika geht, sagte der Taxifahrer aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli. "Ich weiß, dass es in Amerika gefährlich ist - nicht überall, aber in den Großstädten." Montana sei zwar eine schöne Gegend und nicht mit St. Pauli oder der Bronx in New York zu vergleichen. Seit zwei Tagen habe er dort nicht einen Streifenwagen gesehen, während in St. Pauli ständig die Sirenen heulten.

Diren wird im türkischen Bodrum beigesetzt

Nach einer Zeremonie in der Hamburger Yeni-Beyazit-Moschee soll der Leichnam zur Bestattung ins türkische Bodrum gebracht werden. Der Vater des Jugendlichen bedankte sich für die umfassende Hilfe des deutschen Generalkonsulats in San Francisco, das eine Vertreterin nach Missoula geschickt hatte, sowie der Austauschorganisation CIEE. Zu dem wegen vorsätzlicher Tötung angeklagten Todesschützen sagte der Hamburger: "Er soll die gerechte Strafe bekommen."

Der Amerikaner Markus K. will den 17-jährigen Hamburger Diren D. für einen Einbrecher gehalten haben. K. berief sich im Polizeiverhör auf die Castle-Doktrin, eines der kontroversen Selbstverteidigungsgesetze, die in Dutzenden US-Bundesstaaten gelten. Die Castle-Doktrin erlaubt Hausbesitzern in Montana die Anwendung von Gewalt, wenn sie sich durch einen Eindringling auf ihrem Grundstück bedroht sehen.

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Toter Austauschschüler: "Diren, wir lieben dich"
Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Hintergrund ist Paragraf 7 des Strafgesetzbuchs. Darin heißt es, dass das deutsche Strafrecht für Taten gilt, die im Ausland gegen einen Deutschen begangen werden.

Am Mittwoch fand ein Benefizspiel des Hamburger Fußballclubs SC Teutonia 1910 statt. Diren war Mitglied der Mannschaft. Auch die Mutter des verstorbenen Austauschschülers war zu dem Spiel gekommen.

mhu/dpa/AFP

insgesamt 418 Beiträge
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George_KA 01.05.2014
1. das Land der begrenzten Unmöglichkeiten
bei allem Respekt, aber ich würde meine Kinder NIE alleine in so ein durchgeknalltes Land alleine reisen lassen!
dadanchali 01.05.2014
2. Nee
Eine moderate, bewundernswert ruhige und überlegte Reaktion. Wenn mein Kind begünstigt durch solch idiotische Gesetze zu Tode käme wäre die Reaktion härter. Erreichen kann man diese waffengeilen Cowboyimitate allerdings mit keiner Reaktion. Man kann nur hoffen, dass der besonnene Teil der USA sich durchsetzt, irgendwann. Die Toten bis dahin haben dann Pech gehabt.
Markenbox 01.05.2014
3. Frage
Zitat von sysopDPADer Vater des getöteten Diren D. geht die USA hart an, "wo jeder jemanden erschießen kann". Jetzt kehrt der 46-Jährige mit der Leiche seines Sohnes zurück. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/diren-vater-des-toten-austauschschuelers-kritisiert-us-waffengesetze-a-967109.html
Bisher wurde die Frage noch nicht angegangen, was der Junge in der Garage wollte. Hier wird empathisch über den Waffengebrauch in den USA philosophiert, aber keiner wagt sich an die Ursache für die Schüsse heran. Der Junge ist grenzüberschreitend in das Eigentum eines US-Bürgers eingedrungen und hier wird so getan, dass es in Deutschland ja auch keine Konsquenzen gehabt hätte. Warum auch? Hier gilt ja Eigentum als Diebstahl. In den USA nicht und wer sich bei einem Besuch nicht auf die Gepflogenheiten seines Gastlandes umstellen kann, sollte besser nicht verreisen.
manolis_glezas 01.05.2014
4. Ich finde ...
... es auch tragisch, was dort passiert ist, und kann diese Reaktion nicht nachvollziehen. Allerdings kommt mir in der Diskussion zu kurz, dass der deutsche Schüler offenbar bei dem Schützen eingebrochen ist. Dies ist eine absolute Dummheit und jeder in den USA weiß, dass in vielen Staaten das Heim mit der Waffe verteidigt werden darf. Da denken die Amerikaner einfach anders. Auch wenn ich dies nicht gut finde, das muss man wissen und das sollte Austauschschülern und Besuchern in einem Vorbereitungsseminar klar gemacht werden.
Nonsens 01.05.2014
5. Der Junge
hätte sich über die Gegebenheiten in dem Gastland infomieren sollen. Und das Montana als eines der Länder für Schiesswütige ist, ist in Amerika allgemein bekannt. Der wollte weder einen Einbrecher fangen, noch sich verteidigen. Markus K. wollte die Welt einfach nur mal brennen sehen. Das ist typisch Amerikanisch. Man muss sich nur seinen Präsidenten ansehen. Also, Austauschschüler ja, aber niemals nich in Amerika. Noch nicht einmal mit kugelsicherer Weste. Denn dann fängt man sich einen Kopfschuss.
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