Dörrobst-Affäre Ex-Kompaniechef wegen obszönen Aufnahmerituals vor Gericht

Ein peinlicher Vorfall bei der Bundeswehr wird nun vor Gericht verhandelt: Ein Stabsfeldwebel soll einem Unteroffizier Dörrobst ins Gesäß gesteckt und dieses anschließend mit einem Paddel traktiert haben. Der Ex-Kompaniechef lehnt jede Verantwortung für das bizarre Ritual ab.


Zweibrücken - Im Prozess um obszöne Aufnahmerituale bei einem Fallschirmjägerbataillon hat der angeklagte ehemalige Kompaniechef die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestritten.

Bundeswehroffizier (re.) vor Gericht: Dem Angeklagten wird Pflichtverletzung vorgeworfen
DDP

Bundeswehroffizier (re.) vor Gericht: Dem Angeklagten wird Pflichtverletzung vorgeworfen

Zum Prozessauftakt vor dem Amtsgericht Zweibrücken gab der 35-Jährige an, nichts von den Vorgängen während einer Unteroffiziersfeier im September 2005 mitbekommen zu haben. Auch danach habe er zunächst nichts von der Angelegenheit erfahren.

Dagegen sagte der erste von insgesamt fast 20 Zeugen im Prozess, der Kompaniechef habe bei den Vorgängen vor der Bühne gestanden und alles mitbekommen.

Hintergrund des Falls ist eine Feier von Unteroffizieren auf einem Dachboden der Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken. Dabei soll ein Stabsfeldwebel einem Unteroffizier eine Dattel ins Gesäß gesteckt und anschließend mit einem Paddel auf das selbige geschlagen haben.

Dem nun angeklagten 35-jährigen Hauptmann wirft die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang eine Pflichtverletzung als Vorgesetzter vor, weil er den Verdacht einer Straftat nicht gemeldet und untersucht habe. Dies ist nach den Bestimmungen des deutschen Militärrechts strafbar.

Der Angeklagte gab an, zum Zeitpunkt der Vorgänge vermutlich an der Theke gestanden zu haben und in ein Gespräch verwickelt gewesen zu sein. Er sei lediglich über den offiziellen Teil der Feier informiert gewesen. Das "Paddeln" habe nicht dazugehört.

Das Verfahren gegen den Stabsfeldwebel, dem entwürdigende Behandlung vorgeworfen worden war, wurde inzwischen nach Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Dagegen hatte der Hauptmann der Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße nicht zugestimmt.

In den vergangenen Jahren wurden mehrfach Misshandlungsfälle bei der Bundeswehr aufgedeckt. So verhängte das Landgericht Münster im vergangenen März wegen der Misshandlung von Bundeswehrrekruten in einer Coesfelder Kaserne fünf Haftstrafen auf Bewährung sowie eine Geldstrafe. Den Männern wurde vorgeworfen, bei vier simulierten Geiselnahmen im Sommer 2004 insgesamt 163 Rekruten gequält und gedemütigt zu haben.

pad/ddp/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.