Zuhälterei-Prozess Strauss-Kahn bezeichnete Frauen als "Material"

Die Befragung von Dominique Strauss-Kahn im Zuhälterei-Prozess von Lille ist zu Ende gegangen: Zum Abschluss drehte sich alles um SMS-Nachrichten - und die Anmietung einer Geheim-Wohnung.

Dominique Strauss-Kahn: "Wen hast du im Gepäck?"
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Dominique Strauss-Kahn: "Wen hast du im Gepäck?"


Lille - Er habe einen diskreten Ort für Treffen mit politischen Freunden und mit Frauen gebraucht - so begründet Dominique Strauss-Kahn die Anmietung einer Wohnung unter dem Namen eines Freundes. Der 65-Jährige blieb aber dabei: Er habe nicht gewusst, dass die Frauen bei den Sexpartys in dem Pariser Apartment Prostituierte gewesen seien.

In dem Prozess müssen sich neben Strauss-Kahn noch 13 weitere Angeklagte verantworten. Wegen der Teilnahme der Prostituierten wird ihnen organisierte Zuhälterei vorgeworfen. Dem früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft und eine Strafzahlung von 1,5 Millionen Euro.

Die Befragung Strauss-Kahns vor dem Strafgerichtshof im nordfranzösischen Lille ging am Donnerstag nach zweieinhalb Tagen zu Ende. Thematisiert wurden dabei auch mehrere SMS-Nachrichten, die der heute 65-Jährige mit anderen Angeklagten in Lille ausgetauscht hatte. "Wen hast du im Gepäck?", schrieb er etwa dem Unternehmer Fabrice Paszkowski. In anderen Textnachrichten wurden die Frauen als "Material" oder "Geschenk" tituliert.

Strauss-Kahn räumte ein, dass dies eine unpassende Wortwahl unter Männern gewesen sei. Aber manche der Textnachrichten verdeutlichten, dass ihm die Partys vorgeschlagen worden seien und er nicht der Organisator gewesen sei.

Mehrere einstige Prostituierte hatten in dem Prozess ausgesagt, dass bei den Treffen mit Strauss-Kahn zwar nie über Geld und ihre Arbeit als Prostituierte gesprochen worden sei. Aber Strauss-Kahns harte Sexpraktiken deuteten darauf hin, dass er ihren Job kannte. Auch hätte Strauss-Kahn "naiv" sein müssen, um nicht zu merken, dass sie Prostituierte gewesen seien. Die Sexpartys unter anderem in Paris, Brüssel und Washington waren von Unternehmern bezahlt worden.

wit/AFP

insgesamt 45 Beiträge
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norman.schnalzger 12.02.2015
1. Na hoffentlich
hat das "Material" dann au an gscheiten "Charakter" ghabt.
Tafelkreide 12.02.2015
2. Man weiß nicht
was mehr abstösst: Der Schnüffelstaat zwischen den geölten Bettlaken oder die Geschäftspartner in sachen Sex. Es ist sicher ein Aufreger, wenn 50 shades of grey noch der letzten Blaustrümpfin ein zartes Rose ins Antlitz zaubert, aber es ist einfach morbide, wenn man sich Strauss-kahns Altmännerbeinchen vorstellt, die sich in Johannesblüte undechter Geilheit zu Grobheiten stacheln. Wo endet das anständige Geschäft mit der Lust und wo beginnt das Böse? Aber die Zeit hat längst begonnen, diese Frage massenhaft zu stellen, ganz ab von Strauss Kahn ist die Käuflichkeit gerade der Frau ein Standard, der völlig tabuisiert ist. Das ist das eigentliche Drama, das darüber die Kultur der Affaire lächerlich geworden ist, unmöglich und letztlich stets kriminell.
Aase 12.02.2015
3. In Vorstandsetagen von manchen Unternehmen ...
werden Frauen ebenfalls als Material bezeichnet. Und was ist das anderes, wenn Eizellen von Frauen tiefgefroren werden, um die Eizellen (das Material) den Frauen (zynisch geschrieben: der Materialträgerin) nach -zig Jahren einzusetzen? Die us-amerikanischen Gangsterunternehmen machen es doch vor. Weshalb soll Strauss-Kahn nun namens aller anderen Sex-Gangster (die eben nicht auf diese perfide Weise, wie Straus-Kahn vorgehen, sondern diskreter) für alle Genannten den Kopf hinhalten?
Hornblower, 12.02.2015
4. Das ist es
Danke!!! Was sagte eine Prostituierte? DSK wäre "naiv" gewesen, nicht zu wissen, dass sie Prostituierte seien. Und so jemanden wollen die Franzosen zum Präsidenten? Ich pack mich weg. Dorothee Sehrt-Irrek
herrdainersinne 12.02.2015
5. Hat er das ?
Och.....Material. Das war jetzt aber nicht nett von ihm. Das sind immer noch Nu..., ähm Prostituierte. So gehts ja nun wirklich nicht.....
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