Vergewaltigungsprozess Strauss-Kahn verklagt Zimmermädchen

Dominique Strauss-Kahn geht in die Offensive: Er fordert eine Million Dollar Schadensersatz von dem Zimmermädchen, das ihm Vergewaltigung vorwirft. Mit ihren "infamen und mutwilligen falschen Vorwürfen" habe sie sein Ansehen und seine politische Karriere ruiniert.
Strauss-Kahn: Angriff des vermeintlichen Opfers

Strauss-Kahn: Angriff des vermeintlichen Opfers

Foto: MIGUEL MEDINA/ AFP

Hamburg - Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass ein US-Zivilgericht Dominique Strauss-Kahns diplomatische Immunität aufgehoben hat - und damit den Weg freimachte für einen Zivilprozess wegen Vergewaltigung. Nun hat der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) seinerseits Klage eingereicht: Wegen Verleumdung fordert er eine Million Dollar Schadensersatz von dem Zimmermädchen Nafissatou Diallo. Sie wirft dem 63-Jährigen vor, sie im Mai vergangenen Jahres in seiner Hotelsuite zum Oralsex gezwungen zu haben.

In der am Montag bei einem New Yorker Gericht eingereichten Gegenklage beschuldigen Strauss-Kahns Anwälte die 33-jährige Diallo, die Strafverfolgungsbehörden "wissentlich und absichtlich" belogen zu haben. Die "infamen und mutwilligen falschen Vorwürfe" hätten Strauss-Kahns Ansehen untergraben und "andere beruflichen Chancen" beschädigt. In dem Dokument erinnern die Anwälte daran, dass Strauss-Kahn zu dem fraglichen Zeitpunkt als möglicher nächster Präsident Frankreichs galt.

Mitte Mai 2011 war der damalige IWF-Chef in New York am Flughafen festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung und erzwungenen Oralverkehrs angeklagt worden. Deswegen musste der einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten von der IWF-Spitze weichen, seine Ambitionen, Nachfolger von Präsident Nicolas Sarkozy zu werden, aufgeben.

Ende August 2011 stellte die US-Justiz die Strafverfolgung wegen Zweifeln an Diallos Glaubwürdigkeit ein. Das wenige Wochen zuvor von ihr angestrengte Zivilverfahren blieb davon aber unberührt.

Strauss-Kahns Anwälte werfen Diallo vor, die "fälschliche Inhaftierung" und den "emotionalen Stress" ihres Mandanten bewusst in Kauf genommen zu haben. Strauss-Kahn sei nach seiner Festnahme einer "entwürdigenden Durchsuchung" unterworfen und nackt fotografiert worden, zudem hätten ihn die Ermittler zur Abgabe einer Samenprobe gezwungen. Die Anwälte verdächtigen Diallo, es nur auf die finanzielle Entschädigung abgesehen zu haben - wie viel sie fordert, ist bislang nicht bekannt.

Dass es vor einem Jahr zu sexuellem Kontakt zwischen Strauss-Kahn und dem Zimmermädchen gekommen ist, gilt als erwiesen. Der 63-Jährige spricht jedoch von einvernehmlichem Sex. In ihrer Gegenklage bekräftigten seine Anwälte, es habe weder "Gewalt noch Zwang" gegeben, auch sei Diallo nicht verletzt worden. Eine Stunde danach habe sie aber mit Hilfe des Hotelpersonals zu Polizisten gesagt, von Strauss-Kahn sexuell angegriffen worden zu sein, "obwohl sie wusste, dass dies nicht stimmte".

Diallos Anwalt Douglas Wigdor bezeichnete die Gegenklage als Beispiel für "Strauss-Kahns frauenfeindliche Haltung". Wie bereits der Versuch des früheren IWF-Chefs, sich auf seine diplomatische Immunität zu berufen, werde auch dieses "verzweifelte Manöver" nicht zum Erfolg führen, sagte der Anwalt.

Strauss-Kahn hat auch in Frankreich juristischen Ärger. Die Staatsanwaltschaft in Lille wirft ihm "organisierte Zuhälterei" vor und eröffnete Ende März ein Ermittlungsverfahren. Dabei geht es um Sexpartys, an denen Strauss-Kahn in Paris, Brüssel und Washington teilnahm. Er selbst gibt an, nicht gewusst zu haben, dass die Teilnehmerinnen Prostituierte waren.

aar/AFP/dapd
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