Strauss-Kahn in Zuhälterei-Prozess "Ich mag eine derbere Sexualität haben"

Dominique Strauss-Kahn will nicht gewusst haben, dass bei Sexpartys Prostituierte anwesend waren. Vor Gericht in Lille zweifelten nun mehrere Frauen die Darstellungen des einstigen IWF-Chefs an - und erhoben schwere Vorwürfe.

Dominique Strauss-Kahn (Archiv): "Falsche Logik"
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Dominique Strauss-Kahn (Archiv): "Falsche Logik"


Lille - Im Prozess um illegale Sexpartys hat eine weitere Prostituierte Zweifel an den Aussagen Dominique Strauss-Kahns geäußert. Dem ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) habe sie zwar nicht erzählt, dass sie Geld bekommen habe. Dennoch müsse es ihm klar gewesen sein, dass sie als Prostituierte gearbeitet habe. Vor dem Geschlechtsverkehr sei sie auch nie nach ihrer Bereitschaft gefragt worden, sagte die Jade genannte Frau vor dem Strafgerichtshof im nordfranzösischen Lille. Am Dienstag hatte sich eine andere Prostituierte ähnlich geäußert.

In der "Carlton-Affäre" - benannt nach einem der Luxushotels, in denen freizügige Partys gefeiert wurden - müssen sich neben Strauss-Kahn noch 13 weitere Angeklagte verantworten. Wegen der Teilnahme der Prostituierten wird ihnen organisierte Zuhälterei vorgeworfen.

Strauss-Kahn blieb auch am Mittwoch bei seiner Position, keine Information über eine Bezahlung der Frauen gehabt zu haben. Aus seiner Sicht gab es für ihn keinen Anlass anzunehmen, dass die Beteiligten etwas anderes gewesen seien als freizügige Frauen. Als "absurd" und als eine "falsche Logik" wies der 65-Jährige die Argumentation der Anklage zurück: Derzufolge hätte er wegen seiner derben Sexpraktiken wissen müssen, dass er es bei seinen Partys mit Prostituierten zu tun hatte.

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DSK vor Gericht: "Weder ein Vergehen noch ein Verbrechen"

Die beiden Zeuginnen hatten zuvor von besonders brutalen Sexpraktiken des einstigen sozialistischen Spitzenpolitikers berichtet. So sagte Jade unter Tränen über ein sexuelles Erlebnis mit Strauss-Kahn in einem Hotel in Brüssel im Herbst 2009 aus. Was der Angeklagte ihr zugefügt habe, zeige, dass er nur wenig Respekt vor ihr gehabt habe. Wenn sie einfach nur eine an freizügigen Sexpraktiken interessierte Frau gewesen wäre, dann hätte Strauss-Kahn sie zumindest gefragt, ob sie diese Sexpraktiken wolle.

"Ich mag im Vergleich zum Durchschnitt der Männer eine derbere Sexualität haben", räumte Strauss-Kahn ein. Er stehe aber nicht wegen irregeleiteter Sexualpraktiken vor Gericht.

wit/dpa/AFP

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reznikoff2 11.02.2015
1. Sicher
Sexuell hat er's gern derbe. Wenn es eng wird, mag er's dann eher juristisch feinsinnig: kein Vergehen und kein Verbrechen habe er begangen. Kennt man ja schon von Edathy.
gankuhr 11.02.2015
2.
Ich hab das immer noch nicht so ganz gerallt, was ihm genau vorgehalten wird. Was ist mit "illegaler Zuhälterei" gemeint? Und mal angenommen, er hätte gewusst, dass er sich auf einer Party mit 20 Prostituierten befindet - ist das in Frankreich verboten? Und was hat das mit "er hätte fragen müssen" zu tun? Muss nicht sowieso immer fragen, egal ob prostituierte oder nicht? Und ist es andernfalls nicht "Vergewaltigung"? Wie gesagt, viele Fragen.
go-west 12.02.2015
3. Und worin besteht nun das Vergehen,
mit bezahlten Damen Sex gehabt zu haben?
hahtse 12.02.2015
4.
Wenn er davon ausging, dass die Frauen nicht aus beruflichen Gründen da waren, dann macht ihn das nicht gegebene Einverständnis implizit zu einem Vergewaltiger. Das lässt dann auch die Geschichte mit der angeblichen Vergewaltigung des Zimmermädchens in New York glaubwürdiger erscheinen. Na dann mal abwarten was das Gericht dazu sagt.
metalslug 12.02.2015
5. Alltag
Wer kennt das nicht - im Hotel zufällig auf Horden von freizügigen Damen zu treffen ist lder angweilige Alltag. Dann feiert man halt mit, was soll's...
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