Verwaltungsposse in Ohio Der lebende Tote

Donald Miller aus Ohio verschwand 1986 spurlos, wurde irgendwann für tot erklärt. Nach Jahrzehnten tauchte der US-Amerikaner wieder auf. Ein Gericht hat nun entschieden: Der Totenschein bleibt trotzdem gültig. Zur Freude seiner Frau.

Hamburg - Allan Davis ist ein erfahrener Jurist. Der Richter vom Hancock County Probate Court im US-Bundesstaat Ohio spricht seit mehr als 40 Jahren Urteile. "So ein Fall ist mir aber noch nicht begegnet", sagt er dem Nachrichtensender CNN . Davis meint die Geschichte von Donald Miller, einem heute 61 Jahre alten Mann, der vor Jahrzehnten spurlos verschwand und jetzt feststellen muss, dass der Weg zurück zu den Lebenden alles andere als einfach ist.

Miller machte sich 1986 aus dem Staub, zurück ließ er seine Frau, zwei Kinder und einen Berg Schulden. 1994 wurde der Mann offiziell für tot erklärt, doch 2005 tauchte er plötzlich wieder auf. Nachdem seine Eltern ihm von seinem Tod berichtet hatten, versuchte Miller, einen neuen Führerschein zu beantragen und seine Sozialversicherungsnummer zurückzubekommen. Aber wie soll jemand, der offiziell gar nicht mehr existiert, die Erlaubnis bekommen, ein Auto zu steuern?

Miller zog vor Gericht, mit dem Ziel, wieder lebendig erklärt zu werden. Richter Davis lehnte den Antrag nun ab. Seine Begründung: Ein Gesetz in Ohio erlaube Änderungen an Todeserklärungen nur innerhalb von drei Jahren nach der Entscheidung. Dies sei eine "sehr seltsame Situation", räumte Davis ein. "Ein Mann sitzt im Gerichtssaal, er scheint offensichtlich bei guter Gesundheit zu sein", so der Richter, und dennoch könne er den Totenschein nicht für ungültig erklären. Wegen der Gesetzeslage sei der Fall eindeutig. "Ich weiß nicht, was das nun für Sie heißt, aber rechtlich gesehen sind Sie immer noch tot."

"Ich bin einfach gegangen"

Robin Miller, die Ex-Frau des 61-Jährigen - oder dessen Witwe, je nachdem, wie man es betrachtet -, zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Sie hatte nach Millers Verschwinden Sozialleistungen für sich und ihre Kinder erhalten. Seine Mandantin habe befürchtet, das Geld an die Sozialkassen zurückzahlen zu müssen, falls ihr Ex-Mann wieder für lebendig erklärt worden wäre, sagte Robin Millers Anwalt James Hammer. Trotz ihrer Erleichterung über die Entscheidung des Gerichts hege seine Mandantin keinen Groll gegen ihren Ex-Mann, betonte der Anwalt.

Er habe seinen Job verloren, sei Alkoholiker geworden und habe deshalb seine Familie im Stich gelassen, sagte Miller dem Richter. Vor seiner Rückkehr nach Ohio lebte er demnach in Florida und Georgia. "Das lief mehr aus dem Ruder, als ich jemals erwartet hätte", so Miller. "Ich bin einfach gegangen, dann hat es mich an verschiedene Orte verschlagen."

Wie es nun mit Miller weitergeht, ist unklar. 30 Tage haben er und sein Anwalt Zeit, das Urteil anzufechten. Er würde sein Leben gern noch einmal von neuem beginnen, sagte Miller vor Gericht. "Oder das, was davon noch übrig ist."

wit
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