Doppelmord in Berlin Lebenslange Haftstrafe für Todesschützen

Er feuerte zwölfmal auf das Auto einer Familie, zwei Frauen starben, drei Insassen wurden verletzt: Nun hat das Landgericht Berlin einen 26-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter stellten die besondere Schwere der Schuld fest.


Berlin - Das Landgericht Berlin hat einen 26-Jährigen wegen Doppelmordes und dreifachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt. In seiner Entscheidung stellten die Richter zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Mit dem Urteil entspricht das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte die Unterbringung des Angeklagten in einer Psychiatrie beantragt, da der Angeklagte zur Tatzeit unter einer "wahnhaften Psychose" gelitten habe. Die Verteidigung kündigte an, das Urteil anzufechten.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte am 4. August vergangenen Jahres im Stadtteil Wedding mehrere Schüsse auf seine in einem Auto sitzende Ex-Frau und ihre Familie abgefeuert hatte, um sie zu töten. Seine frühere Schwiegermutter und eine Schwägerin wurden bei dem Anschlag getötet. Ein Ex-Schwager wurde von einem Querschläger am Kopf schwer verletzt. "Die Opfer hatten keine Chance, dem Kugelhagel zu entkommen", hieß es in der Urteilsbegründung.

Das Gericht war überzeugt, dass der Angeklagte sich bereits nach der Scheidung von seiner Frau im Mai 2011 "mit dem Gedanken trug, seine Frau und ihrer Familie zu töten". Er habe ihre Entscheidung nicht akzeptieren wollen und sie deshalb auch im Vorfeld bedroht. Spätestens mit dem Kauf der Tatwaffe habe er den Entschluss zur Tötung aber gefasst, sagte der Richter.

Der Todesschütze konnte zunächst fliehen. Wenige Tage später wurde er jedoch in einem leerstehenden Berliner Krankenhaus aufgespürt und festgenommen. Der nun Verurteilte hatte zum Prozessauftakt die Tat gestanden.

Nach einem Antrag der Verteidigung war das Gericht Ende Juni nach den Plädoyers erneut in die Beweisaufnahme eingetreten. In den vergangenen Wochen war ein Streit zwischen den Gutachtern zur Frage der Schuldfähigkeit entbrannt. Die Verteidigung hatte den Gerichtsgutachter abgelehnt, der dem Todesschützen volle Schuldfähigkeit bescheinigte. Der von der Verteidigung beauftragte Psychiater hatte eine "beginnende Schizophrenie" festgestellt, weil der Angeklagte Stimmen gehört habe.

ulz/dpa/dapd



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