Herne-Prozess Marcel H. räumt Doppelmord ein

Er soll einen neunjährigen Jungen und einen ehemaligen Schulfreund erstochen haben: Im Prozess um den brutalen Doppelmord in Herne hat der Angeklagte Marcel H. über seinen Verteidiger die Tat eingeräumt.

Marcel H. im Gerichtssaal in Bochum
FRIEDEMANN VOGEL/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Marcel H. im Gerichtssaal in Bochum


Sechs Monate nachdem zwei brutale Morde die nordrhein-westfälische Stadt Herne erschütterten, hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Marcel H. begonnen. Der 19-Jährige hat vor dem Bochumer Landgericht über seinen Verteidiger die Tat eingeräumt.

"Der Angeklagte betont, dass er den Anklagevorwürfen nicht entgegentritt", sagte sein Anwalt Michael Emde zum Prozessauftakt. Zu Einzelheiten wolle H. aber keine Angaben machen - auch nicht zu seinem Lebenslauf. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 6. März 2017 zunächst den neunjährigen Nachbarsjungen Jaden und einen Tag später einen 22-jährigen ehemaligen Schulfreund erstochen zu haben.

Der Angeklagte hatte sich nach einer tagelangen Fahndung selbst gestellt und in ersten Vernehmungen die Taten gestanden. Der Fall sorgte bundesweit auch für Entsetzen, weil er sich nach dem Tod des kleinen Jungen mit der Tat gebrüstet haben soll.

Der Angeklagte soll Dutzende Male auf seine Opfer eingestochen haben

H. soll laut Anklage zunächst den neunjährigen Nachbarsjungen unter dem Vorwand ins Haus gelockt haben, er brauche seine Hilfe beim Aufstellen einer Leiter. Dort habe er dann mit einem Klappmesser 52 Mal auf das Kind eingestochen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dabei aus Mordlust gehandelt zu haben.

Danach soll er Unterschlupf bei einem Bekannten gesucht haben. Diesen habe er gefragt, ob er ein paar Tage bei ihm wohnen könne, weil seine Eltern weggezogen seien, sagte Staatsanwalt Danyal Maibaum. Am nächsten Tag habe der 22-jährige Bekannte gemerkt, dass nach H. gefahndet werde, und mit der Polizei gedroht.

Daraufhin habe der Angeklagte auch diesen erstochen. Der junge Mann verblutete nach 68 Messerstichen. Zwei Tage später soll H. zudem dessen Wohnung in Brand gesetzt haben, um Beweismaterial zu vernichten. Er muss sich deshalb auch wegen schwerer Brandstiftung vor Gericht verantworten.

Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bereits am Morgen bildete sich vor dem Gerichtsgebäude eine lange Schlange von Menschen, die als Zuschauer in den Gerichtssaal wollten. Viele von ihnen fanden keinen Platz. Für den Prozess vor dem Landgericht Bochum sind bislang noch zehn weitere Verhandlungstage bis Mitte Oktober angesetzt.

asc/dpa

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