Doppelmord von Bodenfelde Tatverdächtiger sammelte Kinderpornos

Der mutmaßliche Doppelmörder von Bodenfelde hat pädophile Neigungen. Auf dem Computer des Mannes wurden Kinderpornos gefunden. Mitarbeiter eines Foto-Geschäftes alarmierten wegen verdächtiger Bilder sogar die Polizei.

Verdächtiger Jan S.: Auf Bewährung in Freiheit
dapd

Verdächtiger Jan S.: Auf Bewährung in Freiheit


Göttingen - Der mutmaßliche Mörder von zwei Jugendlichen aus dem niedersächsischen Bodenfelde hegte pädophile Neigungen: Auf dem Computer von Jan S. seien nach der Festnahme Fotos mit "kinderpornografischen Inhalten" gefunden worden, sagte der Leiter der Mordkommission Hartmut Reinecke am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Göttingen. Der 26-Jährige habe sich besonders für die Füße von Mädchen interessiert.

Die Neigung des Angeklagten war bereits aufgefallen, als er Fotos von Mädchen in Bikinis in einem Geschäft entwickeln lassen wollte. Da der Drucker kaputt war, verließ S. das Geschäft. Mitarbeiter des Marktes überreichten die Bilder später der Polizei. Diese entschied aber, das sie keine strafrechtliche Relevanz hätten.

Auch wegen krimineller Neigungen war S. wiederholt aufgefallen. Laut dem Vorsitzenden Richter Ralf Günther war er neunfach vorbestraft, unter anderem wegen Eigentumsdelikten. Zuletzt befand sich der 26-Jährige auf Bewährung in Freiheit.

Mordkommissionschef Reinecke deutete an, dass er Jan O. gerne schon vor den Morden in Haft gesehen hätte. Am 5. November sei wegen vorangegangener Taten, darunter Brandstiftung und Betrug, über einen Sicherungshaftbefehl entschieden worden. Letztlich sprach sich die Staatsanwaltschaft aber dagegen aus. Es gebe jedoch keinen Grund für Vorwürfe, sagte Reinecke. "Keiner hat vorhersehen können, was passiert ist", sagte er.

Jan S. soll im November vergangenen Jahres die 14-jährige Nina und den 13 Jahre alten Tobias umgebracht haben. Der offenbar psychisch kranke Mann hatte den zweifachen Mord in einer schriftlichen Erklärung voller grausamer Details gestanden. Günther kündigte an, zu dem Geständnis solle ein psychologisches Gutachten erstellt worden.

Die Polizei kam O. laut der Aussage eines Beamten zufällig auf die Spur. Im sozialen Netzwerk Facebook sei er auf die Seite des Verdächtigen gestoßen. "Gestern Mädchen geschlachtet; jetzt jeden Tag eines, bis ich erwischen", habe der 26-Jährige geschrieben. Wenige Stunden später war der Mann festgenommen worden.

Das Landgericht Göttingen erwägt, auch die Eltern der getöteten Jugendlichen als Zeugen zu vernehmen. Die Entscheidung stehe ihnen aber frei, sagte Günther.

dab/dpa/dapd

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