Doppelmord von Krailling Mutter ermordeter Mädchen schildert die Tatnacht

Sie kam am frühen Morgen nach Hause und fand ihre Töchter ermordet in der Wohnung: Die Mutter der in Krailling getöteten Mädchen hat vor Gericht ausgesagt. Immer wieder rang sie um Fassung - dem Onkel der Kinder und mutmaßlichen Mörder musste sie nicht gegenübertreten.

Angeklagter S.: Während der Aussage der Mutter in anderem Raum
dapd

Angeklagter S.: Während der Aussage der Mutter in anderem Raum


München - Immer wieder kämpfte sie mit den Tränen, konnte sich nur mühsam beherrschen: Die Mutter der beiden in Krailling ermordeten Mädchen hat am Montag vor dem Landgericht München ausgesagt. Für die Befragung der 42-Jährigen hatte das Gericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Oberstaatsanwältin Andrea Titz berichtete, die Mutter habe geschildert, wie sie am frühen Morgen des 24. März 2011 ihre toten Kinder in der Wohnung gefunden habe. "Sie ist sehr um Fassung bemüht. Sie macht einen tapferen Eindruck", sagte Titz.

Der Anblick des mutmaßlichen Mörders ihrer Kinder blieb der Frau erspart: Auf Beschluss des Gerichts musste Thomas S., der angeklagte Onkel der ermordeten Schwestern, während der Vernehmung den Saal verlassen. Dies hatte das Gericht angeordnet, da es die Gefahr sah, ein Aufeinandertreffen mit dem Ehemann der Schwester der 42-Jährigen werde den Gesundheitszustand der Mutter der ermordeten Mädchen verschlechtern und die Frau erneut traumatisieren. Der Angeklagte verfolgte die Vernehmung per Videoübertragung in einem anderen Raum.

Die Mutter und ihr Lebensgefährte hatten die Leichen der achtjährigen Chiara und der elfjährigen Sharon blutüberströmt in der Wohnung der Frau gefunden, als sie am frühen Morgen von der Arbeit in der nur 50 Meter entfernten Musikkneipe des Freundes nach Hause kamen. Im zweiten Stock habe sie "auf ihrem eigenen Bett liegend ihre Tochter Chiara gefunden", berichtete Staatsanwältin Titz weiter. Im unteren Stockwerk, auf dem Boden in Chiaras Zimmer, habe sie dann Sharon entdeckt.

Nach der Mutter schilderte auch ihr Lebensgefährte die Tatnacht. Die beiden Mädchen hätten blutüberströmt in der Wohnung der Mutter gelegen, als er mit dieser gemeinsam nach Hause gekommen sei. Der 53-Jährige kam bei seinen Schilderungen immer wieder ins Stocken und war sichtlich bewegt. Auch während dieser Aussage war der Angeklagte in einem anderen Raum.

Der 51-jährige Onkel der Kinder muss sich seit dem 17. Januar wegen Mordes an seinen Nichten verantworten. Der Anklage zufolge wollte der verschuldete Familienvater auch die Mutter - seine Schwägerin - töten, um so an ein Erbe zu kommen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft fasste er den Mordplan, als sich die finanzielle Lage seiner eigenen Familie mit vier Kindern zuspitzte. Der Mann hat bisher vor Gericht geschwiegen.

ulz/dpa/dapd

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