Erschossener 16-Jähriger in Dortmund Polizei prüft ältere tödliche Einsätze in Nordrhein-Westfalen

Ein jugendlicher Senegalese starb in Dortmund durch Polizeischüsse. Nach scharfer Kritik wollen die Behörden Akten vergleichbarer Einsätze der vergangenen fünf Jahre auswerten.
Trauer um den 16-Jährigen in Dortmund: Ging er mit einem Messer auf die Beamten zu?

Trauer um den 16-Jährigen in Dortmund: Ging er mit einem Messer auf die Beamten zu?

Foto: Gregor Bauernfeind / dpa

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen nimmt nach den tödlichen Schüssen auf einen 16-jährigen Geflüchteten in Dortmund Einsätze aus den vergangenen fünf Jahren unter die Lupe. Das geht aus einem Bericht des Innenministeriums an den Landtag hervor.

Konkret geht es demnach um Fälle in Nordrhein-Westfalen, bei denen von Beamten geschossen wurde und um Einsätze mit tödlichem Ausgang nach Zwangsmaßnahmen. Die zuständige Ausbildungsbehörde der Polizei (LAFP) soll daraus Schlüsse ziehen, ob die Aus- und Fortbildung der Beamtinnen und Beamten verändert werden muss.

Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte nach dem Vorfall in Dortmund bereits Maßnahmen angekündigt. In dem neuen Bericht an den Innenausschuss ist die Rede von »ergänzenden Informationen« für Polizisten zum Umgang mit psychisch erkrankten Personen und Suizidgefährdeten. Es habe es in diesem Jahr bereits mehr als 10.000 Einsätze wegen Suizidversuchen gegeben.

Sprachliche Schwierigkeiten

Bei einem Polizeieinsatz im August in Dortmund hatte ein Beamter den Teenager mit einer Maschinenpistole erschossen. Die Polizei war in den Innenhof einer Jugendhilfeeinrichtung gerufen worden, weil der Jugendliche sich mit einem Messer das Leben nehmen wollte. Ob er danach mit dem Messer auf die Beamten zuging, wird zurzeit ermittelt.

Im Fall Dortmund hatte es sprachliche Schwierigkeiten mit dem Jugendlichen aus dem Senegal gegeben. Da es keine Bereitschaft für Dolmetscher gibt, wurden laut Innenministerium alle Polizeibehörden gebeten, eine Liste mit den Handynummern und den Sprachkenntnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Leitstelle zu hinterlegen. Dies geschehe auf freiwilliger Basis.

Nachdem bekannt geworden war, dass das in Dortmund verwendete Pfefferspray bereits abgelaufen war, wurden laut Ministerium alle Polizeibehörden noch einmal an ihre Pflicht zur jährlichen Inventur erinnert.

apr/dpa
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