Getöteter Jugendlicher in Dortmund Projektile trafen 16-Jährigen unter anderem im Gesicht – Staatsanwaltschaft ermittelt

Elf Polizisten waren beim Einsatz gegen einen 16-Jährigen in Dortmund dabei. Sie waren offenbar nicht imstande, ihn ohne Waffengewalt zu überwältigen. Die Staatsanwaltschaft führt nun einen Beamten als Beschuldigten.
Rettungskräfte am Einsatzort: Elf Polizisten sollen an dem Einsatz beteiligt gewesen sein

Rettungskräfte am Einsatzort: Elf Polizisten sollen an dem Einsatz beteiligt gewesen sein

Foto: Markus Wüllner / dpa

Auf einen 16-Jährigen aus einer Jugendhilfeeinrichtung in Dortmund hat die Polizei am Montag mehrmals mit einer Maschinenpistole geschossen. Gegen einen Beamten werde deshalb nun wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt, sagte der Dortmunder Oberstaatsanwalt Carsten Dombert. Der Jugendliche starb trotz Not-OP in einem Krankenhaus.

Bei dem Schützen soll es sich um einen Polizisten mit vergleichsweise wenigen Dienstjahren handeln, im Dienstrang eines Polizeikommissars. Bei dem Einsatz ging die Polizei laut Staatsanwaltschaft außer mit der Schusswaffe auch mit Reizgas und einem Taser gegen den Teenager vor. Insgesamt elf Polizisten – darunter viele junge – seien bei der Schussabgabe bereits vor Ort gewesen.

Der Jugendliche Mohammed D. wurde von insgesamt fünf Schüssen getroffen. Er wurde dadurch an Jochbein, Unterarm, Bauch und zweimal an der Schulter verletzt. Das berichtete Oberstaatsanwalt Dombert unter Berufung auf das vorläufige Obduktionsergebnis. Das Projektil in den Bauch war nach SPIEGEL-Informationen tödlich, ein sechster Schuss verfehlte Mohammed D.

Obduktionsergebnis am frühen Dienstagnachmittag

Auch ein Pfeil aus der Elektroschockpistole traf den Teenager. Taser sind in Nordrhein-Westfalen erst seit 2021 in Pilotregionen – darunter Dortmund – probehalber im Einsatz und sollen Gewalttäter ausschalten, ohne sie zu töten .

Ein Betreuer aus der Einrichtung des getöteten Mohammed D. hatte die Beamten zuvor um Hilfe gerufen, weil dieser mit einem Messer in einem Innenhof zwischen einer Kirche und der Jugendhilfeeinrichtung unterwegs war. Dabei habe er »bedrohlich« gewirkt, wie Oberstaatsanwalt Dombert sagte.

Ob der Jugendliche in der Dortmunder Nordstadt eine Bedrohung für die Betreuer oder für sich selbst dargestellt habe, müsse ermittelt werden, sagte Dombert. So werde etwa untersucht, ob der Jugendliche suizidal gewesen sein könnte. Wollte er etwa von der Polizei erschossen werden? Ein Polizeisprecher hatte zuvor gesagt, der Jugendliche habe die Beamten mit einem Messer angegriffen.

Bei dem Teenager handelt es sich ersten Erkenntnissen zufolge um einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aus dem Senegal. Er lebte erst seit kurzer Zeit in der Jugendhilfeeinrichtung. Drei Betreuer der Einrichtung verfolgten den Polizeieinsatz mit, sie sollten im Lauf des Vormittags als Zeugen gehört werden.

Auch der Polizeibeamte soll noch am Dienstag vernommen werden, sagte Dombert. Als Beschuldigter habe er aber auch das Recht, die Aussage zu verweigern. Für die polizeilichen Ermittlungen nach dem Vorfall in Dortmund ist die Polizei in Recklinghausen zuständig.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde nach Bekanntgabe des vorläufigen Obduktionsergebnisses durch die Staatsanwaltschaft ergänzt. In diesem Zusammenhang wurden auch die Zahl und die Lokalisierung der Projektile korrigiert, die den Jugendlichen trafen.

apr/tgk
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