Drama auf der Zugspitze Extrembergläufer starben an Unterkühlung

Tragisches Ende eines Sportwettkampfes: Mindestens einer der beiden an der Zugspitze umgekommenen Bergläufer ist laut Obduktion an Unterkühlung gestorben. Auch bei dem anderen Todesopfer gibt es keine Anzeichen für eine Vorerkrankung.

Garmisch-Partenkirchen - Hans P., 45, und Uwe M., 41, wollten mit dem Extremlauf auf die Zugspitze ihre Grenzen austesten. Am Ende bezahlten sie den sportlichen Belastungstest mit ihrem Leben: Der Tod der beiden Männer geht laut Obduktionsbericht mindestens bei einem der beiden definitiv auf Unterkühlung zurück.

Bei dem anderen Läufer sei die Todesursache nicht endgültig bestimmt worden, es habe aber keine Anzeichen gegeben, dass ihn eine Vorerkrankung wie ein Herzklappenfehler das Leben gekostet haben könnte, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft München II, Rüdiger Hödl. Gänzlich ausschließen ließen sich Vorerkrankungen aber nicht, es sei nicht explizit nach ihnen gesucht worden.

Die Untersuchung des Unglücks dauere derzeit noch an, sagte Hödl. Noch sei unklar, ob es zu einem Ermittlungsverfahren gegen den Veranstalter oder auch andere kommen werde. Zu Details der Untersuchung wollte er keine Angaben machen.

Es ginge darum, ob die Läufer auf das schlechte Wetter hingewiesen wurden. Dies soll nach Aussage mehrerer Teilnehmer der Fall gewesen sein.

Läufer Michael Strackerjan sagte SPIEGEL ONLINE, bereits beim Start habe der Veranstalter vor dem Wetter gewarnt und mehrmals wiederholt, man möge mit Regenjacke, Mütze und Handschuhen laufen. Teilnehmer Stefan Semerias sagte dem Fernsehsender N24, dass auf einem Zettel an der Startnummernausgabe auf das Wetter hingewiesen worden sei. Als letzter Satz und doppelt unterstrichen habe dort "Zieht euch warm an" gestanden.

Wer sich dann mit kurzer Laufkleidung in solche Höhen wage, trage auch einen Teil eigene Verantwortung. Viele Läufer seien auch mit falschem Schuhwerk unterwegs gewesen, das eher für die Stadt als für den Berg geeignet gewesen wäre, sagte Hödl.

Uwe M. aus dem nordrhein-westfälischen Witten und Hans P. aus Ellwangen in Baden-Württemberg waren bei dem Lauf unterhalb des Gipfels des 2962 Meter hohen Berges trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben.

Sechs Läufer kamen völlig erschöpft und mit schweren Unterkühlungen auf die Intensivstation des Klinikums Garmisch-Partenkirchen. "Ihre Körpertemperatur lag zum Teil zwischen 30 und 32 Grad Celsius", sagte der behandelnde Chefarzt Johann Meierhofer SPIEGEL ONLINE.

Mehr als 30 weitere entkräftete, in Aludecken gehüllte Sportler wurden in Krankenhäuser in Murnau und Mittenwald gebracht. Insgesamt waren 94 Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes und der Bergwacht im Einsatz.

"Es war der größte Einsatz auf der Zugspitze seit der Jahrhundertlawine 1965", sagte Peter Huber, Chef der bayerischen Zugspitzbahn, SPIEGEL ONLINE.

jjc/AP/dpa