Drama in der Schweiz Unbekannte setzen Krebskranke vor Klinik aus

Entsetzen im schweizerischen Kanton Thurgau: Auf dem Parkplatz eines Krankenhauses in Münsterlingen ist eine völlig entkräftete, abgemagerte Frau entdeckt worden. Die Kranke wurde offensichtlich ausgesetzt.

Münsterlingen - Sie ist völlig entkräftet und schwer krank: Eine Unbekannte ist vor einem Krankenhaus im schweizerischen Münsterlingen ausgesetzt worden. Die ungefähr 40 bis 55 Jahre alte Frau wurde in der Nacht auf Dienstag vermutlich mit einem Fahrzeug auf den Parkplatz des Kantonsspitals Münsterlingen gebracht. Man habe keine Ahnung, wie lange sie dort gelegen sei, sagte Untersuchungsrichter Patrick Müller. Sicher sei aber, dass sie aufgrund des Gesundheitszustandes nicht in der Lage gewesen sei, selber dorthin zu gelangen.

Der Personalchef des Kantonsspitals Münsterlingen fand die Frau am Morgen um 6.15 Uhr auf dem Parkplatz, wie Spitaldirektor Stephan Kunz auf Anfrage mitteilte. Sie lag in Decken eingewickelt in einem Gebüsch. Neben ihr wurde zudem eine pinkfarbene Sporttasche mit Frauenkleidern gefunden. Der Mitarbeiter habe sofort das Personal der Notfallstation verständigt, die sich gleich neben dem Eingang befindet. "Die Frau ist in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, aber bei Bewusstsein", sagte Kunz weiter. Die 1,58 Meter große Frau ist stark abgemagert und wiegt noch 30 Kilogramm. Verständigung mit ihr sei nicht möglich, sagte Kunz. Wahrscheinlich verstehe sie die deutsche Sprache nicht. Ausweise wurden nicht gefunden, somit ist auch die Nationalität der durch die Krankheit entstellten Frau unbekannt.

Gemäß den Untersuchungen hat die Frau eine Krebserkrankung in fortgeschrittenem Zustand. Am Kopf ist ein Tumor sichtbar. Eine medizinische Behandlung sei notwendig aber nicht dringend, sagte Kunz. Die Krankheit bestehe offensichtlich schon seit längerer Zeit. Die Ärzte konzentrieren sich den Angaben zufolge darauf, die Frau zu stabilisieren und ihr die Schmerzen zu nehmen.

Die Unbekannte sei sicherlich in der letzten Zeit nicht in einer schweizerischen Institution behandelt worden, sagte Kunz. Vermutlich wurde die Frau in den letzten Wochen nicht medizinisch betreut. Jede Fachperson hätte festgestellt, dass die Frau medizinische Hilfe benötigt, sagte Kunz. Auch eine Behandlung zu Hause mit einem solchen Tumor sei schwer vorstellbar.

Die Behörden gehen davon aus, dass jemand die Frau behandeln lassen wollte und sie deshalb bewusst vor dem Spital ausgesetzt hat. "Ihr verhältnismäßig gepflegter Zustand lässt vermuten, dass sie zuvor einige Zeit von Unbekannten betreut wurde", sagte ein Polizeisprecher. Die Frau wird nun in der Klinik behandelt.

ffr/AP/dpa
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