Dreifachmord in Berlin Spezialeinsatzkommando fasst Verdächtigen

Der Norden Berlin-Neuköllns gilt als berüchtigter Problemkiez, Britz im Süden des Bezirks hingegen als ruhige Wohngegend. Doch hier hat die Polizei innerhalb weniger Tage drei tote Männer entdeckt. Ein Spezialeinsatzkommando stellte nun den mutmaßlichen Mörder.

dpa

Hamburg - Britz, ein Ortsteil von Berlin-Neukölln. Im Bruno-Taut-Ring nahe der Hufeisensiedlung, seit 2008 Unesco-Welterbe, reihen sich vierstöckige, aschfahle Mehrfamilienhäuser aneinander. Hier, im Haus Nummer 15 a, entdeckte am vergangenen Freitag, kurz nach zehn Uhr morgens, eine Bewohnerin in einer Wohnung zwei Tote: den Mieter Jürgen Sch., 61, und seinen Freund Fritz P., 50.

Durch den Fund alarmiert, meldete ein Anwohner aus der Nachbarschaft Verwesungsgeruch aus dem Haus 15 c, zwei Eingänge vom Tatort entfernt. Am Samstag um 13 Uhr ließ die Polizei diese Wohnung aufbrechen - und fand darin Maik S., ermordet auf dem Boden liegend. Der 35-Jährige, ein arbeitsloser Maler, ist den Ermittlungen zufolge seit mindestens drei Wochen tot.

Alle drei Opfer verkehrten im Britzer Trinkermilieu. S. soll des Öfteren in Sch.'s Wohnung gewesen sein, gemeinsam habe man auch am Kiosk oder auf dem Rasen vor dem Haus getrunken. Jürgen "Jogi" Sch., ein Trockenbauer in Frührente, habe seine kleine Rente oft geteilt, obdachlosen Saufkumpanen Unterschlupf in seiner Zwei-Zimmer-Bude gewährt. Sein Kumpel P., bekannt unter dem Spitznamen "Schweden-Peter", soll nach Aussage von Nachbarn seit mindestens sechs Wochen bei ihm gewohnt haben.

Alle drei Männer wurden getötet und weisen ein ähnliches Verletzungsbild auf, wie Staatsanwalt Martin Steltner erklärte. Todesursächlich seien "Gewalteinwirkung gegen Kopf, Hals und Oberkörper".

Über die Todesursache kursieren widersprüchliche Meldungen. Der "Berliner Kurier" schrieb, die Männer seien vermutlich erschossen worden, "Bild" und "Berliner Morgenpost" berichteten von einer Schere als möglicher Tatwaffe. Die Staatsanwaltschaft wollte das nicht kommentieren. "Wir sind vorsichtig, die Art und Weise bekannt zu geben, weil es um Täterwissen geht", so Steltner.

"Er war scheu, hilflos, ein richtig armer Kerl, der einem leidtat"

"Die Hintergründe für die Taten liegen vorerst noch im Dunkeln", sagte Steltner. 15 Hinweise seien bei den Ermittlern eingegangen. Nach bisherigen Ermittlungen der 5. Mordkommission müssen Sch. und P. am Abend des 8. Juli getötet worden sein. "Möglicherweise gibt es eine konkrete Situation, die die drei Todesfälle eint."

Nachbarn berichten, sie hätten Maik S. öfter mit Verletzungen gesehen. Doch Anzeige habe er nie erstatten wollen, obwohl ihm Unbekannte angeblich einmal mehrere Zähne ausgeschlagen haben sollen. "Er war scheu, hilflos, ein richtig armer Kerl, der einem leidtat", sagte Nachbarin Erika M. SPIEGEL ONLINE.

Die Polizei fahndete nach einem Tatverdächtigen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, schlank, etwa 1,75 Meter groß. Der Mann war am Donnerstagabend in Tatortnähe mit blutverschmierter Bekleidung gesehen worden. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) hätten den Gesuchten am Nachmittag festgenommen, hieß es. Er habe keinen Widerstand geleistet.

Zum Motiv oder der Identität des Verdächtigen machte die Polizei keine Angaben.

jjc



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