Dresden Diebstahl im Grünen Gewölbe - Juwelen werden restauriert

Beim Einbruch in das Grüne Gewölbe besprühten die Täter viele historische Schmuckstücke mit einem Pulver. Inzwischen sind Experten optimistisch, dass "die verbliebenen Werke rückstandslos gereinigt werden können".
Schmucksaal des Grünen Gewölbes (vor dem Einbruch)

Schmucksaal des Grünen Gewölbes (vor dem Einbruch)

Foto: David Brandt/ Staatliche Kunstsammlungen Dresden/ AP/ DPA

Es gibt Hoffnung für die Schmuckstücke, die von Juwelendieben im Dresdner Grünen Gewölbe mit einem Pulver besprühten wurden. "Nach der gegenwärtigen Einschätzung werden die verbliebenen Werke rückstandslos gereinigt werden können", sagte ein Sprecher der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD). "Damit sind die Restauratoren derzeit befasst."

Zwei unbekannte Einbrecher hatten am vergangenen Montag aus einer Vitrine gut zwei Dutzend der insgesamt rund hundert Teile umfassenden Juwelengarnituren mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Sie waren am frühen Morgen gewaltsam in das Museum eingedrungen und hatten im Juwelenzimmer mit einer Axt drei Löcher ins Vitrinenglas geschlagen. Die Stücke, die sie in der Kürze der Zeit darin nicht zu fassen bekamen, besprühten sie offenkundig mit Feuerlöschpulver, um Spuren zu verwischen. Nach nur wenigen Minuten konnten sie mit ihrer Beute flüchten .

Das barocke Schatzkammermuseum August des Starken (1670-1733) ist seitdem geschlossen. An einer Übergangslösung für den Bereich der zerstörten Vitrine im Juwelenzimmer wird nach Angaben der SKD gearbeitet. "Wir möchten das Historische Grüne Gewölbe möglichst zeitnah wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen", sagte der Sprecher. Gemeinsam mit der Bauverwaltung des Freistaates, Polizei und Landeskriminalamt werde derzeit das Sicherheitskonzept überprüft.

Die Diebe hatten elf prominente Schmuckstücke, Teile von zwei weiteren Objekten und eine Gruppe von Rockknöpfen mit Brillanten und Diamanten aus der kostbaren Sammlung gestohlen. Die Ermittler der 40-köpfigen Sonderkommission "Epaulette" sind sicher, dass vier Täter an dem Juwelendiebstahl beteiligt waren. Für Hinweise wurde eine Belohnung in Höhe von einer halben Million Euro ausgelobt.

Bislang kamen den Ermittlern zufolge 516 Hinweise aus der Bevölkerung. Einen "dringenden Tatverdacht gegen eine konkrete Person" gebe es weiterhin nicht, teilten der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp und Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa mit. Die Ermittlungen würden "noch einige Zeit in Anspruch nehmen".

Als Konsequenz aus dem Fall forderte der Kriminalwissenschaftler Daniel Zerbin Verbesserungen beim Schutz von Kunstschätzen. Ein Umdenken sei "zwingend notwendig". Der aktuelle Fall zeige die Schwächen der deutschen Sicherheitsarchitektur, vor allem hinsichtlich der Einbindung privater Firmen. Wachleute in Museen würden oft als Mitarbeiter zweiter Klasse angesehen und schlecht bezahlt, es gebe eine hohe Fluktuation.

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Einbruch ins Grüne Gewölbe: Diese Juwelen haben die Diebe gestohlen

Foto: David Brandt/ Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Die Wachleute einer privaten Sicherheitsfirma seien in Dresden scheinbar überfordert oder in ihrem Handeln eingeschränkt gewesen, sagte Zerbin. Der Kaufmännische Direktor der SKD, Dirk Burghardt, hatte hingegen einen Tag nach dem Einbruch die Zurückhaltung der Wachleute verteidigt. Sie hätten sich auch wegen der Brutalität der Einbrecher entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern auf die Polizei zu warten.

Generell sieht Zerbin "eine gewisse Naivität" in Fragen der Sicherheit bei den Museumsleitungen: Sicherheit werde noch immer als Einschränkung von Freiheit verstanden, "aber wenn die Kunst nicht da ist, habe ich auch nicht die Freiheit, sie anzuschauen". Die Zeiten hätten sich geändert und die Schwerstkriminalität zugenommen, wie auch der Diebstahl der "Big Maple Leaf"-Goldmünze aus dem Bode-Museum in Berlin 2017 zeige.

"Wir haben es mit einer ganz anderen Art Gewaltbereitschaft zu tun", sagte Zerbin. Und die mediale Aufmerksamkeit in solchen Fällen sei Werbung für Nachahmungstaten. Museumsleitungen müssen sich daher stärker ihrer Verantwortung für die Sicherheit bewusst werden und diese nicht nur vom Geld abhängig machen. "Exzellente Kunst braucht exzellente Sicherheitskonzepte und auch Sicherheitspersonal mit hohen Einsatzwerten."

wit/dpa/AFP