Ausschreitungen zum Dynamo-Aufstieg in Dresden Dutzende Polizisten nach Fan-Krawallen verletzt und dienstunfähig

Der Aufstieg von Dynamo Dresden in die zweite Liga wurde von schweren Krawallen überschattet. Die Polizei berichtet nun von Dutzenden verletzten Beamten. Oberbürgermeister Hilbert nennt die Geschehnisse »nicht akzeptabel«.
Spuren der Verwüstung in der Dresdner Lennéstraße unweit des Rudolf-Harbig-Stadions

Spuren der Verwüstung in der Dresdner Lennéstraße unweit des Rudolf-Harbig-Stadions

Foto: Michael Taeger / imago images/Jan Huebner

Der erneute Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga wird für Dynamo Dresden wohl in getrübter Erinnerung bleiben. Bereits während des Drittligaspiels gegen Türkgücü München (4:0) war es außerhalb des Stadions zu Ausschreitungen zwischen Fans und der Polizei gekommen. Nun hat die Polizei eine Bilanz des Großeinsatzes vorgelegt.

Demnach wurden insgesamt 185 Polizeibeamte verletzt, davon elf so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Sechs Polizisten liegen laut Polizei noch immer in Kliniken, 30 Beamte können ihren Dienst derzeit nicht ausüben.

Rettungskräfte riefen Alarmzustand aus

Auch unter den Fans gab es Verletzte. Wie die Feuerwehr am Montag mitteilte, musste während des Einsatzes von Rettungskräften die Alarmierungsstufe MANV1 ausgerufen werden. Das Kürzel steht für »Massenanfall von Verletzten«. Insgesamt habe man 44 Menschen medizinisch versorgt und den Großteil von ihnen in umliegende Krankenhäuser bringen müssen.

Während des Einsatzes seien die Retter auch »von Randalierenden beleidigt und verbal bedroht worden«, hieß es. Neben zahlreichen Einsatzkräften mehrerer Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr seien unter anderem auch das Deutsche Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst und eine Leitende Notärztin im Einsatz gewesen. Auch Journalisten wurden im Umfeld des Stadions angegriffen. Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa sprach von »erschreckenden Szenen«.

Da wegen der Coronapandemie keine Zuschauer zum letzten Heimspiel der Dresdner ins Stadion durften, hatten sich etwa 4000 Fans im gegenüberliegenden Großen Garten eingefunden. Während des Spiels hatten dann Hunderte gewaltbereite Dynamo-Anhänger die Polizei mit Pyrotechnik sowie Flaschen- und Steinwürfen attackiert. Die Polizei reagierte und setzte Wasserwerfer und Reizgas ein. Insgesamt waren etwa 1100 Beamte im Einsatz.

Oberbürgermeister Hilbert verurteilt Gewalt

»Auch wenn wir uns alle über den Aufstieg von Dynamo Dresden freuen: Die Gewalt am Stadion gegenüber den Einsatzkräften ist nicht akzeptabel«, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). »Ich hoffe sehr, dass sich der Verein aktiv mit diesen Ereignissen auseinandersetzt und bis zum Beginn der Saison in Liga zwei auch Antworten und Konzepte liefern kann«, sagte Hilbert.

Es gebe nach dem Polizeieinsatz viel aufzuarbeiten, twitterte Dynamo noch am Sonntag.

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Von der Schwarz-Gelben Hilfe, einem Verein, der die Dynamo-Fans nach Polizeieinsätzen auch rechtlich unterstützt, gab es auf SPIEGEL-Nachfrage zunächst kein Statement zu den Vorfällen. Auf Twitter rief die Fanhilfe zunächst nur dazu auf, keine Bilder vom Sonntag hochzuladen oder zu teilen.

fek/dpa/AFP
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