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Einbruch ins Grüne Gewölbe Haftbefehl gegen Jihad Remmo aufgehoben

Nach dem Juwelendiebstahl in Dresden wurde ein siebter Verdächtiger festgenommen. Nach SPIEGEL-Informationen ist er nun auf freiem Fuß – und könnte den Prozess gegen Familienmitglieder wieder als Zuschauer verfolgen.
Grünes Gewölbe in Dresden im November 2019: Schmuckstücke mit 4300 Diamanten und Brillanten gestohlen

Grünes Gewölbe in Dresden im November 2019: Schmuckstücke mit 4300 Diamanten und Brillanten gestohlen

Foto: Max Stein / ronaldbonss.com / IMAGO

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Jihad Remmo ist an diesem Freitag aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Am 10. Mai war der 22-Jährige als siebter Tatverdächtiger im Fall des Juwelendiebstahls aus dem Grünen Gewölbe in Dresden festgenommen worden. Am 11. Mai erging Haftbefehl. Die Beschwerde seines Verteidigers hatte nun Erfolg. Das Landgericht Dresden hob den Haftbefehl gegen Jihad Remmo auf.

»Der dringende Tatverdacht ist durch das Landgericht nicht bestätigt worden«, sagte sein Berliner Strafverteidiger Stephan Schneider am Freitag dem SPIEGEL. Das Gericht sehe weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr.

Jihad Remmo sei nicht einschlägig vorbestraft und wisse seit Langem von dem Ermittlungsverfahren gegen sich, sagte ein Gerichtssprecher. Wegen fehlender Haftgründe könne die Frage nach dem dringenden Tatverdacht dahinstehen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden kündigte gegenüber dem SPIEGEL an, dass sie prüfen werde, ob sie Beschwerde gegen die Entscheidung einlegt.

»In Kenntnis des gesamten Tatplans«

Seit Ende Januar müssen sich sechs Mitglieder des Berliner Remmo-Clans vor dem Landgericht Dresden verantworten, darunter Jihad Remmos Bruder Bashir. Die Männer sollen am frühen Morgen des 25. November 2019 in Dresden 21 Schmuckstücke mit 4300 Diamanten und Brillanten aus dem Grünen Gewölbe gestohlen haben. Zudem wird ihnen vorgeworfen, in einer Dresdner Tiefgarage ein Fluchtauto in Brand gesetzt zu haben.

Jihad Remmo verfolgte den Prozess gegen seine Familienmitglieder regelmäßig als Zuschauer. Am 10. Mai wurde er nach der Verhandlung noch im Gerichtsgebäude festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft Jihad Remmo vor, den sechs Angeklagten Beihilfe zum Einbruch ins Grüne Gewölbe, zum Diebstahl des Sachsenschatzes und auch zur besonders schweren Brandstiftung in der Tiefgarage geleistet zu haben. »In Kenntnis des gesamten Tatplans« soll Jihad Remmo die Tat »umfassend mit vorbereitet und geplant« haben, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt im Mai am Tag der Festnahme von Jihad Remmo. Die Aussage des Angeklagten Rabieh Remo vor Gericht habe »nicht unmaßgeblich zur Begründung des dringenden Tatverdachts beigetragen«.

Rabieh Remo hatte am 29. März seinen Verteidiger in seinem Namen eine Einlassung verlesen lassen. Darin teilte Rabieh Remo mit, dass Jihad Remmo am Steuer eines Autos gesessen habe, mit dem Rabieh Remo und weitere Männer in Berlin am Abend des 24. November 2019 zu Rabieh Remos Wohnung gefahren seien; dort habe Rabieh Remo Kleidung für den Einbruch holen und sich danach mit anderen Leuten treffen und mit diesen noch in der Nacht nach Dresden zum Grünen Gewölbe fahren wollen. Jihad Remmo, Rabieh Remo und die anderen seien noch in Berlin in eine Polizeikontrolle geraten.

Ihre Personalien wurden festgestellt. Im Kofferraum lag Einbruchswerkzeug. Rabieh Remo will daraufhin dann doch nicht nach Dresden gefahren sein. Was Jihad Remmo im Anschluss tat – dazu äußerte er sich nicht.