Dresden Ermittlungen gegen 17 Angehörige einer Spezialeinheit

Gegen mehrere Polizisten des LKA Sachsen gibt es schwere Vorwürfe. Unter anderem sollen vier Beschuldigte 7000 Schuss Munition entwendet haben.
Polizeieinsatz (Symbolbild)

Polizeieinsatz (Symbolbild)

Foto: Friso Gentsch/ dpa

In Sachsen laufen Ermittlungen gegen 17 Mitarbeiter eines mobilen Einsatzkommandos des Landeskriminalamtes (LKA). Die Vorwürfe betreffen Diebstahl und Beihilfe zum Diebstahl, Verstöße gegen das Waffengesetz und Bestechlichkeit, wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das LKA mitteilten .

Im Großraum Dresden seien die Privatwohnungen von vier Hauptbeschuldigten und die Diensträume aller Beschuldigten durchsucht worden. Den Hauptbeschuldigten im Alter von 32 bis 49 Jahren wird unter anderem vorgeworfen, im November 2018 aus Dienstbeständen mindestens 7000 Schuss Munition entwendet zu haben.

Diese sollen sie als Gegenleistung für ein privates Schießtraining bei der Firma »Baltic Shooters« bei Güstrow genutzt haben. Dem Betreiber Frank T. wird eine Nähe zum Rechtsextremismus vorgeworfen.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes wurde das Schießtraining beantragt, jedoch durch den Vorgesetzten untersagt. Darüber setzten sich die Bediensteten den Ermittlungen zufolge bewusst hinweg.

Als Konsequenz aus den Vorwürfen wurde den vier Hauptbeschuldigten die Führung der Dienstgeschäfte verboten. Zudem wurde allen Beschuldigten das Betreten der Diensträume untersagt, und sie wurden aus dem mobilen Einsatzkommando in andere Bereiche versetzt. Gegen alle Beschuldigten wurden Disziplinarermittlungen eingeleitet.

»Wütend und enttäuscht«

LKA-Präsident Petric Kleine sprach von schwerwiegenden Vorwürfen. »Sie fühlen sich wie ein Schlag ins Gesicht meiner Behörde an«, sagte er. Er sei »wütend und enttäuscht darüber, dass sich ein ganzes Kommando bewusst nicht nur über dienstliche Weisungen hinweggesetzt hat, sondern Einzelne unter ihnen das bestehende Vertrauensverhältnis für kriminelle Aktivitäten missbraucht haben«. Der Schaden für das Image des LKA und der sächsischen Polizei sei »riesengroß«.

Den Anstoß für die Ermittlungen hatten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen den damaligen Inhaber der Firma »Baltic Shooters« gegeben. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden übernahm daraufhin das Verfahren gegen vier sächsische Polizeibeamte von den Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Ermittlungen und die Auswertung der beschlagnahmten Gegenstände dauerten an. Geprüft werden laut Generalstaatsanwaltschaft  auch etwaige Verbindungen zur rechtradikalen Prepper-Gruppierung »Nordkreuz«. Bislang lägen hierzu keine Anhaltspunkte vor. Auf Anfrage des SPIEGEL sagte ein Sprecher des LKA, bisher gebe es keine Hinweise auf eine rechtsextreme Chatgruppe der Verdächtigen.

bbr/jpz/dpa/AFP