Vandalismus auf Dresdner Friedhof Gedenkkränze für Kriegsopfer angezündet

Unbekannte Täter sollen auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden Blumenkränze zerstört haben, die an Weltkriegsopfer erinnern. Auch ein Denkmal wurde beschmiert. Der Staatsschutz ermittelt.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) bei der Kranzniederlegung vergangene Woche auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden

Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) bei der Kranzniederlegung vergangene Woche auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden

Foto: Robert Michael/ dpa

"Keine Opfer sondern Täter!": Die Aufschrift in Großbuchstaben haben Unbekannte auf ein Denkmal für die Opfer beider Weltkriege auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden gesprüht, direkt über zwei eingravierte Daten: "1914-1918" und "1939-1945". Wegen der Schmierereien ermittelt die Kriminalpolizei nun gegen unbekannt.

Die Täter setzten auch mehrere Gedenkkränze in Brand, die erst vergangene Woche zum Gedenken des 75. Jahrestag der Bombardierung von Dresden auf dem Friedhof niedergelegt worden waren. Das bestätigte ein Polizeisprecher dem SPIEGEL.

Zuvor waren den Ermittlern zufolge Videos des Tathergangs im Internet veröffentlicht worden. Laut "Bild"-Zeitung bekannten sich die Täter auf dem Portal "Indymedia" zu dem Vandalismus und zeigten Bilder der brennenden Kränze. Demnach schrieben sie dort auch: "Deutsche Täter sind keine Opfer - Dresdner Opfermythos und Gedenken abschaffen!"

"Warum etwas verschandeln, was vor dem Elend des Kriegs mahnt?"

Der Alte Annenfriedhof veröffentlichte ein Bild der Schmiereien auf seiner Facebookseite - und bat um Unterstützung bei der Aufklärung. "Warum etwas verschandeln, was vor dem Elend des Kriegs mahnt?" fragen die Verfasser in dem Post.

Unter dem Foto bekundeten Nutzer ihre Solidarität mit dem Friedhof. "Ihr habt es echt nur mit speziellen Leuten zu tun", schrieb eine Nutzerin. Ein anderer Kommentar lautete: "Politische Überzeugungen hin oder her. Mit etwas Nachdenken vor solchen Taten würde wohl jeder darauf kommen, dass es in Dresden die Zivilbevölkerung getroffen hat!"

Der Fall steht offenkundig im Kontext einer größeren Debatte zur Instrumentalisierung der Erinnerungskultur . Schon in den vergangenen Wochen war der Friedhof Ziel mehrerer Angriffe: Bilder zeigen umgeworfene Statuen, der Friedhofsverwaltung zufolge wurden zudem Ornamente und Grabzäune von mehreren Grabstellen gestohlen.

"Sollte sich der-/diejenige finden", schreiben die Friedhofsbetreiber über die Täter, "diskutieren wir gern über verschiedene Auffassungen zur Erinnerungskultur - aber dann bitte ohne etwas dabei kaputtzumachen."

lmd