Mutmaßlich islamistischer Angriff in Dresden Behörden verteidigen Vorgehen

Noch am Tag der Tat wurde der mutmaßliche Dresdner Angreifer überwacht: Die Sicherheitsbehörden haben sich gegen Kritik an ihrer Arbeit gewehrt.
Dirk-Martin Christian: Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen (Archiv)

Dirk-Martin Christian: Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen (Archiv)

Foto: Sebastian Kahnert / picture alliance / dpa

Sachsens Behörden haben ihr Vorgehen im Fall der tödlichen Messerattacke von Dresden verteidigt. Aus Sicht des LKA seien alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, sagte Behördenchaf Petric Kleine.

Abdullah Al H.H. soll am 4. Oktober zwei Männer in der Dresdner Innenstadt mit zwei Küchenmessern angegriffen haben. Eines war mehr als 20 Zentimeter lang.

Das 55 Jahre alte Opfer aus Krefeld starb später im Krankenhaus. Sein 53 Jahre alter Begleiter überlebte die Attacke. Bislang ist unklar, weshalb der Syrer die Urlauber angriff.

Nach SPIEGEL-Informationen wurde Abdullah Al H.H. in den Tagen vor der Tat überwacht und zeitweilig auch observiert. Dennoch konnte er die beiden Messer beschaffen, mit denen er schließlich seine Tat beging.

Wie die Ermittler auf der Pressekonferenz mitteilten, wurde der Verdächtige auch am Tag der Tat observiert. Zum genauen Zeitpunkt machten die Zuständigen keine Angaben.

"Keine hundertprozentige Sicherheit"

Man habe sich gefragt, ob es einen Fehler im System gab und ob die Tat habe verhindert werden können, sagte LKA-Chef Kleine. Der Maßnahmenkatalog habe eine enge Betreuung, nicht aber eine enge Bewachung vorgesehen.

Die Tat sei nicht auszuschließen gewesen. "Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit", sagte Sachsens Verfassungsschutz-Chef Dirk-Martin Christian.

Keine Rund-um-die-Uhr-Bewachung

Es sei "sehr, sehr bitter", wenn man heute feststellen müsse, dass trotz dieser Maßnahmen die schreckliche Tat nicht verhindert werden konnte, sagte Landesverfassungsschutz-Chef Christian. Eine Rund-um-die-Uhr Bewachung sei rechtlich möglich, aber nicht vorgesehen gewesen.

Nach SPIEGEL-Informationen kam der mutmaßliche Täter im Jahr 2015 nach Deutschland. Seit dem Frühsommer 2017 soll er sich zunehmend dem IS zugewandt und sich Gedanken über ein Attentat gemacht haben. Vor einiger Zeit war der 20-Jährige unter anderem wegen Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu mehr als zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. In der Haft radikalisierte sich der Mann womöglich weiter.

Der Beschuldigte war erst Ende September nach der Verbüßung seiner Jugendstrafe aus der Haft entlassen worden und stand seither unter Führungsaufsicht.

Kritik an Sicherheitsbehörden

Der Fall beschäftigt auch die Politik. Grünenchef Robert Habeck sprach sich für einen konsequenteren Kampf gegen Islamismus aus.

Auch Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, kritisierte ein Versäumnis der Behörden im SPIEGEL: "Warum ist dieser islamistische Syrer nach Verbüßung seiner Haftstrafe nicht in Sicherungsverwahrung genommen oder abgeschoben worden?"

Es stelle sich die drängende Frage, "warum die sächsischen Sicherheitsbehörden den Gefährder nicht besser überwacht haben", sagte indes Michael Theurer, FDP-Fraktionsvize im Bundestag dem SPIEGEL.

Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, bot den Hinterbliebenen des Getöteten und dem bei der Tat Verletzten Unterstützung an. "Die Bundesregierung wird für die Opfer dieser entsetzlichen Tat da sein, wenn nötig auch noch lange nach der Tat", erklärte Franke in Berlin. "Wir werden versuchen zu helfen, wo immer es geht."

jpz/dpa/AFP
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