Festnahme von Beltrán Leyva in Mexiko Drogenboss "El H" in Handschellen

Die Devise hieß "Plata o plomo", Geld oder Blei: Wer sich nicht bestechen ließ, den ermordete das Beltrán-Leyva-Kartell. Nun ist dessen Boss festgenommen worden - es könnte das Ende der mexikanischen Drogenbande sein.
Festnahme von Beltrán Leyva in Mexiko: Drogenboss "El H" in Handschellen

Festnahme von Beltrán Leyva in Mexiko: Drogenboss "El H" in Handschellen

Foto: AFP/ MEXICAN GENERAL ATTORNEY

Auf einem der wenigen Fahndungsfotos, das die Sicherheitsbehörden von Héctor Beltrán Leyva veröffentlichten, sah er aus wie ein mexikanischer Bänkelsänger: Schwarzer Anzug, glatt gekämmtes Haar, Schnurrbärtchen. Man konnte sich gut vorstellen, dass er so mit der Gitarre durch die Kneipen zieht und Balladen zum Besten gibt.

Auf dem Foto, das die Staatsanwaltschaft nun verbreitete, war der 49-Jährige kaum wiederzuerkennen: Der Bart abrasiert, die Haare zauseliger. Und Beltrán Leyva schaute so grimmig, wie man eben guckt, wenn das Leben als millionenschwerer Drogenboss im Knast endet.

Héctor Beltrán Leyva, genannt "El H", Chef des Beltrán-Leyva-Kartells, war den Sicherheitskräften am Mittwoch in dem Touristenort San Miguel de Allende im zentralmexikanischen Bundesstaat Guanajuato ins Netz gegangen. Er aß gerade Meeresfrüchte in einem Fischrestaurant.

Bei der Festnahme sei nicht ein Schuss gefallen, betonte Chefermittler Tomás Zerón de Lucio. Gemeinsam mit "El H" wurde Germán Ortega festgenommen, der in der Organisation so etwas wie der Oberbuchhalter war.

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Mexikanischer Drogenboss: Das Ende von "El H"

Foto: AFP/ MEXICAN GENERAL ATTORNEY

Elf Monate überwachten die Ermittler vor der Festnahme die Wege des Kartellbosses, der als Häusermakler ein diskretes Leben in der Stadt Querétaro führte. "El H" stand seit dem Tod seines Bruders Arturo im Dezember 2009 an der Spitze des Verbrechersyndikats, das sich einst vom Sinaloa-Kartell abgespalten hatte. Die Organisation ist vornehmlich im Nordwesten und Zentrum Mexikos aktiv, von wo sie Kokain, Marihuana, Heroin und synthetische Drogen in die Vereinigten Staaten und nach Europa schmuggelt. Auf die Ergreifung von Héctor Beltrán Leyva hatte die mexikanische Regierung umgerechnet 1,76 Millionen Euro ausgesetzt. Auch die USA hatten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgeschrieben.

"Mit seiner Festnahme verliert die Organisation Einfluss in rund einem Dutzend Bundesstaaten, von wo sie nicht nur ihre Drogen schmuggelt, sondern auch Geld wäscht und ein engmaschiges Korruptionsnetz unterhält", sagte Zerón de Lucio.

"Geld oder Blei" ist die Devise

Die ursprünglich vier Brüder Arturo, Alfredo, Héctor und Carlos Beltrán-Leyva verließen 2008 im Streit das Sinaloa-Kartell und erklärten dessen Boss Joaquín "El Chapo" Guzmán den Krieg. Angeblich hatte "El Chapo" den jüngsten Beltrán-Bruder an die Behörden verraten. Es folgten die blutigsten Jahre des mexikanischen Drogenkriegs, auch weil sich die Beltrán-Leyvas mit den Erzfeinden des Sinaloa-Kartells, den "Zetas" zusammentaten. Die Brüder machten sich Politiker und Drogenfahnder bis in höchste Ebenen durch Korruption gefügig. Wer sich nicht bestechen ließ, wurde ermordet: "Plata o plomo" war ihre Devise, "Geld oder Blei". Richter, Politiker und oberste Fahnder standen auf ihrer Todesliste.

Doch ihre Herrschaft währte nicht lange. Der damalige Chef des Kartells, Arturo, wurde am 16. Dezember 2009 in einer filmreifen, fünf Stunden langen Schießerei mit Einheiten der mexikanischen Marine getötet. Danach verlor die Organisation deutlich an Einfluss, gewann laut US-Finanzministerium in den vergangenen zwei Jahren unter der Führung von "El H" vor allem in Nordwestmexiko wieder an Bedeutung. Die Zukunft des Kartells ist nun unsicher.

Mit der Festnahme des letzten der vier Brüder könnte das kleine streng familiär ausgerichtete Kartell nun aber ganz verschwinden, denn es gibt keinen natürlichen Nachfolger für Héctor Beltrán Leyva: Seine Brüder Carlos und Alfredo sind schon seit Jahren in Haft.

Beltrán-Leyva ist nach "El Chapo" Guzmán der zweite Mafia-Hochkaräter, der den Sicherheitsbehörden in diesem Jahr ins Netz gegangen ist. Nach eigenen Angaben hat die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto in knapp zwei Jahren 84 der 122 größten Drogen-Kriminellen auf der Fahndungsliste "aus dem Verkehr gezogen". 71 wurden festgenommen, 13 getötet.

Diese massiven Schläge gegen die Kartelle haben offensichtlich zu größeren Rochaden im organisierten Verbrechen geführt. Medienberichten zufolge trafen sich die führenden Köpfe von vier Organisationen, darunter "Zetas" und "Beltrán-Leyva" Ende Juni zu einem der seltenen Mafiagipfel, um die Gründung eines Mega-Kartells zu beraten, das der größten und wichtigsten Organisation, dem "Sinaloa-Kartell", Konkurrenz machen soll.

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