Drogenkrieg in Veracruz Mexikanische Stadt feuert alle Polizisten

Im Kampf gegen Korruption geht die Stadt Veracruz einen ungewöhnlichen Weg. Führende Politiker haben sämtliche lokale Polizeieinheiten aufgelöst. In der Hafenstadt patrouilliert nun die Marine. Landesweit werden eine halbe Million Beamte auf Mafia-Kontakte überprüft.

Marinesoldat vor einem Polizeiauto: In Veracruz hat die Regierung alle Polizisten entlassen
AP

Marinesoldat vor einem Polizeiauto: In Veracruz hat die Regierung alle Polizisten entlassen


Veracruz - Radikaler Schritt im Kampf gegen Bestechlichkeit: Die Regierung des mexikanischen Bundesstaats Veracruz hat die Polizei der gleichnamigen Hafenstadt komplett aufgelöst und alle Bediensteten entlassen. Mit der drastischen Maßnahme solle die Korruption an der Wurzel bekämpft werden, teilte die Staatsregierung mit.

Anstelle von Polizeibeamten patrouillieren nun Marinesoldaten in der zweitgrößten Stadt des Staats, in der im September die Leichen von 35 Gewaltopfern gefunden wurden. Im Kampf gegen die Rauschgiftmafia haben die Streitkräfte bereits die Polizeiaufgaben in mehreren Städten übernommen, darunter auch Ciudad Juárez.

Die Polizei gilt in vielen Städten als korrupt. Präsident Felipe Calderón hat die Sicherheitsüberprüfung aller 460.000 Polizeibeamten angeordnet.

Bei den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Drogenkartellen haben Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben 16 mutmaßliche Drogenhändler getötet. In Pánuco im Bundesstaat Veracruz seien bei einem Feuergefecht acht mutmaßliche Drogenhändler erschossen worden, sagte ein Armeevertreter. In der Stadt Coatzintla im selben Bundesstaat töteten Soldaten bei einer weiteren Schießerei zwei mutmaßliche Gangster. Veracruz gilt als Hochburg der Drogenbande, die "Zeta" genannt wird.

Kinder des Gouverneurs leben an geheimem Ort

Seit die mexikanische Regierung den mächtigen Kartellen im Jahr 2006 den Kampf angesagt hat, starben im Drogenkrieg mehr als 45.000 Menschen. Eine Reihe von Festnahmen in den vergangenen Jahren und die Ergreifung ranghoher Drogenbosse wirkten sich dabei kaum auf die Gewalt im Land aus.

Erst Ende November waren in der Millionenstadt Guadalajara 26 Leichen entdeckt worden. Die Männer seien gefesselt gewesen und offenbar regelrecht hingerichtet worden, erklärte die Polizei. Die Toten wurden in drei Fahrzeugen gefunden.

Die Leichen wurden in zwei Vans und einem Pick-up verstaut und an einer Schnellstraße in der Nähe der "Millennium Arches", eines Wahrzeichens der Stadt, in den Fahrzeugen zurückgelassen. Die meisten der Opfer seien erstickt, teilten die Behörden mit. Einige seien aber auch erschossen worden.

Verbrechen wie dieses sind in Mexiko keine Ausnahme. Immer wieder sterben bei Schusswechseln mit Drogenhändlern Kriminelle und Polizisten. Wer es sich leisten kann, bringt in besonders gefährdeten Gebieten seine Familie in Sicherheit. So wurde jüngst bekannt, dass der Gouverneur von Sinaloa im Westen des Landes wegen der Gefahr durch die Drogenkartelle seine Kinder an einen geheimen Ort ins Ausland bringen ließ. Mario López Valdez erklärte, die Polizei habe Funksprüche von Mitgliedern von Drogenbanden abgehört, bei denen diskutiert wurde, wie Angehörige oder enge Verwandte entführt werden könnten. Damit wollten die Kartelle offenbar ein inhaftiertes Bandenmitglied freipressen.

jbr/dapd



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spargel_tarzan 22.12.2011
1. solches vorgehen wird man in diesem land vergebens erwarten..
dürfen, denkt man z.b. an die machenschaften des verfassungsschutzes im zusammenhang mit rechter gesinnung.
atomschutzpunker 22.12.2011
2. Malen mit Zahlen
Und wieviele Marinesoldaten braucht man, um 460.000 Polizisten zu überprüfen?
ratxi 22.12.2011
3. 500000 Titel auf Sicherheit überprüft
Zitat von sysopIm Kampf gegen*Korruption geht die Stadt*Veracruz einen ungewöhnlichen Weg. Führende Politiker haben sämtliche lokale Polizeieinheiten aufgelöst. In der Hafenstadt patrouilliert nun die Marine. Landesweit werden eine halbe Million Beamte*auf*Mafia-Kontakte überprüft. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,805246,00.html
Nun, dort sind mit Sicherheit ganz andere, ungewöhnliche Massnahmen notwendig, um etwas zu verändern. Ich frage mich nur, von wem und wie werden 500000 Polizisten überprüft? Und woher weiss man, dass die Überprüfer keine ganz "privaten" Entscheidungen in ihre Arbeit "mit einfliessen lassen"? Und wenn, mal angenommen, ein Polizist wegen Mafiakontakten entlassen wird, was bleibt ihm, ausser dann hauptberuflich für seine Mafia tätig zu werden? Fragen über Fragen, für die mir keine Antwort einfällt...
recardo 22.12.2011
4. .
Zitat von sysopIm Kampf gegen*Korruption geht die Stadt*Veracruz einen ungewöhnlichen Weg. Führende Politiker haben sämtliche lokale Polizeieinheiten aufgelöst. In der Hafenstadt patrouilliert nun die Marine. Landesweit werden eine halbe Million Beamte*auf*Mafia-Kontakte überprüft. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,805246,00.html
Mexico ist noch nicht verloren, noch wehrt es sich. Aber es scheint schon einem Bürgerkrieg zu ähneln. Bei einer so jungen Bevölkerung, einer Bevölkerung, die so schnell wächst, wundert es nicht.
cato. 22.12.2011
5. .....
Zitat von recardoMexico ist noch nicht verloren, noch wehrt es sich. Aber es scheint schon einem Bürgerkrieg zu ähneln. Bei einer so jungen Bevölkerung, einer Bevölkerung, die so schnell wächst, wundert es nicht.
Das hat nichts mit der Bevölkerungsstruktur zu tun, Mexico hat einfach das Pech die günstigste Route in den größten Absatzmarkt der Welt zu sein ... und der Friedensnobelpreisträger hat den Kartellen sogar noch Waffen verkauft, hat in den USA nen riesen Skandal gegeben, der den dt. Medien irgendwie entgangen ist. Wenn die Amis ihre Grenze nicht dicht kriegen oder Drogen legalisieren, wird man die Macht der Kartelle nicht brechen können, die Elitesoldaten mit besserer Ausrüstung als das Militär auf ihren Lohnlisten haben ...
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