Drogenprozess in Düsseldorf 83-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

Rund sechs Gramm Heroin hatte ein Senior bei sich, als die Polizei ihn erwischte. Jetzt ist das Urteil im Prozess gegen den vorbestraften Drogendealer gefallen: Dem 83-Jährigen bleibt eine weitere Haftstrafe erspart.

Angeklagter im Amtsgericht Düsseldorf: Bewährungsstrafe für 83-Jährigen
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Angeklagter im Amtsgericht Düsseldorf: Bewährungsstrafe für 83-Jährigen


Das Amtsgericht Düsseldorf hat einen 83-Jährigen wegen Drogenbesitzes zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann ist bereits mehrfach vorbestraft - unter anderem wegen Unfallflucht und Fahren unter Drogeneinfluss.

Der ehemalige Schreiner war 2014 mit sieben Drogenpäckchen in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs erwischt worden. Darin befanden sich insgesamt rund sechs Gramm Heroin. Der Senior stand zu diesem Zeitpunkt unter Bewährung und lebte von Grundsicherung in Höhe von 399 Euro im Monat.

Zuletzt war der Mann im Jahr 2011 wegen bewaffneten Drogenhandels - er führte eine Schreckschusspistole mit sich - zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Für den erneuten Handel mit Drogen sah das Gericht nun jedoch keine ausreichenden Beweise.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers muss noch gesondert entschieden werden, ob der Senior wegen der älteren Haftstrafe doch zurück ins Gefängnis muss, weil er während der Bewährungszeit erneut straffällig geworden war. Die Chancen stünden aber gut, mit einer Verlängerung der Bewährungszeit davonzukommen.

Laut seinem Verteidiger hatte der Mann in "durchaus erheblichem Maß" begonnen, selbst Drogen zu nehmen und zur Finanzierung auch damit gehandelt. Richter Alexander Stumpe sagte, er finde es merkwürdig, dass der Angeklagte wieder mit Heroin erwischt wurde. Aber mit 83 Jahren sei er möglicherweise auch "nicht der geeignete Kandidat" für eine Therapie, um dann "langjährig fröhlich drogenfrei zu leben".

aar/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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pluemuckel 21.05.2015
1. Was soll das bitte?
Mag der ehrenwerte Richter einmal dezidiert darlegen, weshalb einem jungen vorbestraften Dealer eher der Widerruf der Bewährung droht als einem Greisen .Wir reden hier von Heroin und nicht von Jägermeister . Und vermutlich hat der greise Schreiner nicht ausschließlich an Konsumenten seiner Altersklasse vertickt, wo sich ohnehin ein zeitiges biologisches Ende abzeichnet. Entweder ist hier die Berichterstattung verzerrt oder aber das hohe Gericht hat was an der Waffel. Grandios.
FairPlay 21.05.2015
2. Und vermutlich hat
der 83 jährige nicht ausreichend Geldmittel um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wäre dies der Fall würde der alte Mann nicht derart verzweifelte Taten begehen. Bei der Beurteilung einer Strafzumessung gehören auch die Sozialen Hintergründe einbezogen. Dies war hier ausnahmsweise der Fall.
Hamberliner 21.05.2015
3. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus..
Wenn ihm nur 399 EUR/Monat zur Verfügung standen, weniger als die Hälfte des Existenzminimums, ist das ja auch kein Wunder. Das Sozialamt hat de facto entschieden, dass er sich von Kriminalität zu ernähren hat. Dass er sich für einen Straftatbestand entschieden hat, der sowieso abgeschafft gehört, und nicht für beispielsweise Wohnungseinbrüche, halte ich für einen glücklichen Zufall. Das ist kein Verdienst des Sozialamts. Das Sozialamt hat versucht, die Deckungslücke irgendwelchen zufälligen Opfern zufälliger Straftaten aufzubürden.
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