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11. Juni 2019, 16:37 Uhr

Kriminalität

Dealer verschickten Schokoriegel mit Drogencodes

Drei Jahre lang verkauften gewiefte Dealer Designerdrogen übers Internet. Nun wurden sie verhaftet.

Gemeinsam gegen Cyberkriminalität: Ein Team aus deutschen und niederländischen Ermittlern hat die Betreiber einer Onlineplattform für Drogenhandel verhaftet. Die Fahnder hätten die vier Niederländer im Alter von 26, 31, 65 und 66 Jahren bereits vergangenen Mittwoch gefasst, teilte die Kölner Staatsanwaltschaft mit.

Die Männer hielten sich zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung in Kroatien und den Niederlanden auf. Sie sollen den Onlineshop drei Jahre lang unterhalten und dabei rund 2,7 Millionen Euro verdient haben.

Bei den Drogen habe es sich um sogenannte neue psychoaktive Substanzen gehandelt, Stoffe, deren chemische Struktur geringfügig verändert wurde, sodass sie nicht unter das Betäubungsmittelschutzgesetz (BtMG) fallen, sagte Christoph Hebbecker, Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln. Die verhafteten Niederländer sollen ihr Ware selbst produziert und dafür Rohstoffe per Post aus China bezogen haben.

Die Männer hatten ein ausgeklügeltes System entwickelt: Über eine offen zugängliche Plattform verschickten die Dealer Schokoriegel an ihre Kunden. Auf den Schokoriegeln stand dann ein Zahlencode für den tatsächlichen Drogenkauf. Die Männer versandten die Drogen aus Postfilialen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, vor allem aus Nordrhein-Westfalen. Die Täter wollten auf diese Weise offenbar sicherstellen, dass nur solche Besteller beliefert wurden, die bereits bezahlt hatten und echte Adressen besaßen.

Die Staatsanwaltschaft der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW (ZAC) ermittelte seit über einem Jahr gegen die Betreiber des Onlineshops. 125 Beamte beteiligten sich an der Durchsuchung von zwölf Wohnungen in den Niederlanden und einer im nordrhein-westfälischen Nettetal. Dabei trugen sie Schutzkleidung, denn die Stoffe zur Herstellung der Drogen sind zum Teil hochgradig giftig. Die Ermittler fanden mehrere Kilogramm synthetischer Substanzen und 40.000 Euro in bar. Die Tatverdächtigen sollen demnächst nach Deutschland ausgeliefert werden, sagte ZAC-Oberstaatsanwalt Markus Hartmann.

muk/dpa

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