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Axt-Attacke in Düsseldorf Bluttat am Bahnsteig

Zehn Menschen sind zum Teil schwer verletzt, unter den Opfern sind Touristen und eine 13-Jährige: Nach dem Axt-Angriff in Düsseldorf gehen die Ermittler von der Tat eines verwirrten Einzeltäters aus.

Fatmir H. startete seine Attacke um kurz vor 21 Uhr in einem Zug der Linie S28, die gerade in den Hauptbahnhof von Düsseldorf einfuhr. Offenbar wahllos griff er mit einer Axt zwei Menschen an, stieg aus und attackierte am Bahnsteig weitere Passanten.

Gegen 20.50 Uhr rasten mehrere Streifenwagen auf den Hauptbahnhof zu, Menschengruppen verließen die Bahnhofshalle, manche Frauen weinten, das Handy am Ohr. Einige vor dem Bahnhof glaubten, der Kindsmörder von Herne sei im Bahnhof - dabei stellte er sich fast zeitgleich in seiner rund 50 Kilometer entfernten Heimatstadt der Polizei.

Drinnen, ungefähr auf Höhe von Gleis 11 in der Mitte des Bahnhofs, lagen zwei Männer auf dem Boden, Blut war zu sehen. Passanten und Uniformierte kümmerten sich um die Verletzten, leisteten erste Hilfe. Gaffer blieben stehen. Einige zückten ihre Handys und filmten. Dann wurde der Bereich mit rot-weißem Plastikband abgesperrt.

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Düsseldorf: Axt-Attacke am Hauptbahnhof

Foto: David Young/ dpa

Fatmir H. flüchtete nach der Attacke über die Gleise und sprang von einer Eisenbahnbrücke. Er brach sich dabei mehrere Knochen und kam schwer verletzt in ein Krankenhaus. Offenbar handelte der 36-Jährige in suizidaler Absicht: Er gab gegenüber Kriminalbeamten an, er habe gehofft, durch Polizisten erschossen zu werden.

Inzwischen gibt es weitere Erkenntnisse über den Ablauf der Tat: Ein S-Bahn-Fahrer hat im Düsseldorfer Hauptbahnhof wohl Schlimmeres verhindert. Der Mann habe die Türen des Zuges geschlossen, vermutlich als er den Tumult auf dem Bahnsteig sah, teilte die Polizei mit. Der mutmaßliche Täter habe mit Tritten und Faustschlägen noch vergeblich versucht, in den Zug zu gelangen.

Streifenpolizisten der Bundespolizei und Reisende verfolgten den mutmaßlichen Attentäter laut Polizei nach dem Axt-Angriff, bevor er nach dem Sprung von der Brücke überwältigt wurde. Der Verdächtige stamme aus Wuppertal, teilten Landes- und Bundespolizei mit.

"Keine Hinweise auf religiöse oder politische Motive"

Die Ermittler stufen den 36-jährigen Kosovaren als "offensichtlich verwirrten Einzeltäter" ein. In seiner Wohnung in Wuppertal sei ein Attest über eine "paranoide Schizophrenie" gefunden worden, sagte Dietmar Kneib vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Es gebe "überhaupt keine Hinweise auf religiöse oder politische Motive".

Bei dem Angriff hat es laut Polizei zehn Opfer gegeben. Vier von ihnen hätten schwere Kopfverletzungen erlitten, Lebensgefahr bestehe aber nicht. Die Verletzten sind laut Polizei zwischen 13 und 50 Jahre alt und stammen unter anderem aus Dortmund, Düsseldorf, Köln, Solingen und Mettmann, auch zwei Italienerinnen wurden demnach verletzt.

Der Bruder von Fatmir H. hat nach Angaben der Polizei von der Krankheit des psychisch kranken Mannes gewusst. Fatmir H. habe berichtet, dass er sich vor einer Woche eine Axt gekauft habe, weil er sich verfolgt fühle. Der Bruder des Tatverdächtigen habe ihn als vermisst gemeldet, weil dieser am Abend nicht zu Hause gewesen sei.

fis/bim/jdl/mxw/wit/dpa/AFP
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