Großbrand in Flüchtlingsunterkunft Staatsanwaltschaft wirft Angeklagten religiöses Motiv vor

Im Fastenmonat Ramadan wurde in einer Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft Mittagessen ausgeteilt. Ein Bewohner soll nach einem Streit darüber die Messehalle angesteckt haben. Nun steht er vor Gericht.

Die Angeklagten vor dem Düsseldorfer Landgericht
DPA

Die Angeklagten vor dem Düsseldorfer Landgericht


Ein halbes Jahr nach dem Großfeuer in einer Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft hat der Prozess gegen zwei Flüchtlinge begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, aus Wut über die Ausgabe von Mittagessen im Fastenmonat Ramadan eine als Notunterkunft genutzte Messehalle in der Landeshauptstadt niedergebrannt zu haben.

Die beiden Ex-Bewohner müssen sich wegen schwerer Brandstiftung und Beihilfe zu der Straftat verantworten. Der aus Algerien stammende mutmaßliche Haupttäter kündigte am ersten Verhandlungstag eine Aussage zu den Vorwürfen im weiteren Prozessverlauf an, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine Gerichtssprecherin berichtete.

Ein zweiter Angeklagter aus Marokko soll den 27-jährigen Hauptbeschuldigten immer wieder angestachelt haben. Mit der laut Staatsanwaltschaft religiös motivierten Tat hätten die Angeklagten eine Verlegung in eine andere Unterkunft erzwingen wollen.

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Düsseldorf: Flüchtlingsunterkunft in Flammen

Laut Anklage zündete der mutmaßliche Haupttäter vergangenen Juni eine Matratze in der Messehalle an, die er zuvor mit Wodka getränkt hatte. Das Feuer breitete sich rasch aus.

Sein Verteidiger wies die Vorwürfe vor Gericht nun zurück: "Mein Mandant bestreitet jeglichen Zusammenhang mit der Tat." Als gläubiger Moslem habe er keinen Wodka besessen, er sei auch nicht am Streit um die Essensausgabe im Ramadan beteiligt gewesen. Der Hauptbelastungszeuge der Anklage habe seinen Mandanten auf Fotos angeblich mal erkannt und dann wiederum als Täter ausgeschlossen. Da seien Zweifel angebracht.

In der 6000 Quadratmeter großen Halle waren 282 Flüchtlinge untergebracht. Die Flammen richteten Schaden von rund zehn Millionen Euro an. Zunächst hieß es, mehr als zwei Dutzend Menschen seien leicht verletzt worden. Der Staatsanwaltschaft wurde eigenen Angaben zufolge aber nur ein Verletzter bekannt.

Video: Großbrand in Düsseldorf

Für den Prozess sind zwölf weitere Verhandlungstage angesetzt.

apr/AFP/dpa



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