Urteil in Düsseldorf Schwerbehinderter 89-Jähriger muss Wohnung nach 50 Jahren räumen

Weil er seine Miete angeblich zu Unrecht minderte, kündigte ein Vermieter aus Düsseldorf einem schwerbehinderten Rentner. Zu Recht, wie das Landgericht nun urteilte. Der Mann muss nach 50 Jahren sein Zuhause verlassen.

Der 89-Jährige vor dem Düsseldorfer Landgericht: Rausschmiss nach 50 Jahren
DPA

Der 89-Jährige vor dem Düsseldorfer Landgericht: Rausschmiss nach 50 Jahren


Düsseldorf - Ein schwerbehinderter 89-Jähriger muss in Düsseldorf seine Wohnung nach 50 Jahren wegen Mietrückstands räumen. Das hat das Düsseldorfer Landgericht entschieden und keine Revision zugelassen.

Der Rentner, der seit 1964 in der Wohnung lebt, hatte bereits in erster Instanz verloren. Er habe im Lauf der Jahre die Miete so sehr gemindert, dass der Rückstand weit mehr als zwei Monatsmieten ausmache, erklärte der Richter. Das rechtfertige die fristlose Kündigung. Der Rentner hatte vergeblich argumentiert, dass die Mietminderung berechtigt gewesen sei.

Laut "Rheinischer Post" erhält der Mieter Unterstützung aus der Bevölkerung. Sympathisanten hätten angekündigt, mit einer Menschenkette die Zwangsräumung des Schwerbehinderten verhindern zu wollen.

Dem Blatt zufolge hatte es seit Jahren Streit zwischen dem Vermieter und dem Senioren gegeben. Demnach hatte dieser die Miete teilweise einbehalten, weil Bauarbeiten angeblich seinen Balkon zerstörten. Später stellte der 89-Jährige Strafanzeige gegen den Vermieter wegen Nötigung. Das Gericht versuchte zu schlichten, der Rentner wollte sich jedoch nicht entschuldigen.

Az.: 21 S 48/14

gam/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
illogical 06.11.2014
1. Es tut mir ja leid, aber...
... Man sollte auch mal an den Vermieter denken. Da hängt auch eine Existenz dran und wir haben nunmal in Deutschland eine Rechtsprechung und wenn die Gerichte in zwei Instanzen so (meiner Meinung nach auch völlig zurecht aus juristischer Sicht) urteilen, dann hat man das hinzunehmen.
Crom 06.11.2014
2.
Offenbar gibt es kein Grund für die Mietminderung. Nur weil jemand 89 ist, kann er nicht machen was er will.
nonpossocapirlo 06.11.2014
3. Richtig so!
Wo kämen wir denn hin, wenn Menschen mehr zählen würden als die Kapitalrendite? # Wir brauchen marktkonforme Demokratie, marktkonforme Menschenrechte und marktkonforme Richter...
Stäffelesrutscher 06.11.2014
4.
Diese Gerichte machen aber auch jeden S.... mit, anstatt mal das Bundesverfassungsgericht anzurufen. Es hat sich nämlich auf Vermieterseite herumgesprochen, wie es funktioniert: Man antwortet nicht auf Mängelrügen, lässt den Mieter seelenruhig kürzen bzw. einbehalten, hat gar nicht vor, den Mangel (z. B. undichte Fenster oder kiffende Nachbarn) abzustellen, und sobald die zwei Monatsmieten überschritten sind, geht der Vermieter vor Gericht, und dann zack und weg.
matzehier 06.11.2014
5. Not in my backyard
Alle die, die gegen die Zwangsräumung und diesen brutalen und unsozialen Staat protestieren, können ja gern den alten Herrn aufnehmen oder seine Mietschulden zahlen. Aber so weit reichts dann doch nicht.
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