Düsseldorfer Doppelmord Stiefsohn engagierte Auftragskiller

Die Ermittler sprechen von einer "Hinrichtung": Der gewaltsame Tod eines alten Mannes in Düsseldorf und seiner Tochter ist aufgeklärt. Nach Angaben der Polizei engagierte der 56-jährige Stiefsohn des Ermordeten zwei Killer - offenbar um seiner Enterbung zu entgehen.


Düsseldorf - Der Doppelmord an einem pensionierten Regierungsbaudirektor und seiner Tochter in Düsseldorf ist aufgeklärt. Um seine Enterbung zu verhindern, habe der 56-jährige Detlef W. zwei Auftragskiller angeheuert und die beiden umbringen lassen, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag.

Für eine niedrige vierstellige Summe hätten zwei 21 und 22 Jahre alte Drogenabhängige aus dem Raum Fulda den 82-Jährigen und seine 39-jährige Tochter Mitte Juni mit Schüssen jeweils in den Hinterkopf ermordet. Bei dem Erbe sei es um etwa eine Million Euro gegangen. Die Ermittler fanden in den Unterlagen der 39-jährigen Yoga-Lehrerin Hinweise auf den Erbschaftsstreit. Demnach stand der Termin der Enterbung unmittelbar bevor.

"Das war eine Hinrichtung", sagte ein Polizeisprecher. W. und seine Komplizen waren am frühen Morgen des 17. Juni 2010 aus dem osthessischen Burghaun nach Düsseldorf gefahren. Aus den bisherigen Ermittlungen geht hervor, dass W. während der Tat im Auto gewartet hat. Der 21-jährige René B. und der 22-jährige Johannes K. verschafften sich unter dem Vorwand, von der Post zu sein, Zugang zur Wohnung der Opfer. Eine 81-jährige Frau, die Mutter von W., sperrten sie in einen Nebenraum ein. Danach töteten sie die beiden Opfer.

Eine Überwachungskamera eines nahe gelegenen Hotels hatte zur Tatzeit einen Wagen gefilmt, der sich später als der des Stiefsohns herausstellte. Auf dem Rückweg war der mutmaßliche Drahtzieher zudem in eine Radarfalle geraten, als er einen Stau auf der Autobahn 5 umfahren habe.

Außerdem erinnerte sich W.s Mutter, ihr Sohn habe sich einige Tage vor der Tat erkundigt, wann denn bei der Familie in Düsseldorf die Post zugestellt werde. Die Frage habe sie gewundert, weil ihr Sohn, den sie finanziell stets unterstützt hatte, nie etwas geschickt habe. Dennoch hatte die Mordkommission den Verdacht lange Zeit nicht erhärten können, weil sich keine belastenden Spuren am Tatort fanden.

Abhöraktion brachte entscheidenden Ermittlungserfolg

Die Tochter hatte kurz vor ihrer Erschießung noch den Notruf 110 der Polizei mit ihrem Handy gewählt, aber nichts mehr sagen können. Dabei waren aber Satzfetzen mit den Stimmen der Mörder mitgeschnitten worden. Der Beamte in der Leitstelle hatte nur Rauschen und Gemurmel vernommen. Erst nach Wochen stießen die Ermittler bei der genauen Untersuchung des Mitschnitts auf die Stimmen. "Ich will nichts hören, sonst gibt's Ärger", heißt es dort. "Hmmm, nichts passiert", sagt eine andere Stimme. Ein Sprachexperte hatte einen hessischen oder thüringischen Dialekt herausgehört.

Um eine Ermordung der betagten Mutter nicht zu riskieren, hatte die Polizei die Frau lange versteckt gehalten. Eine Abhöraktion hatte nach Monaten den Durchbruch bei den Ermittlungen gebracht: Der 56-Jährige habe mit einem der Killer über die Tat gesprochen, während die Ermittler heimlich mithörten.

Sondereinsatzkommandos mit mehr als 100 Polizisten nahmen die mutmaßlichen Täter schließlich in Hessen fest. Bei dem 56-Jährigen in Burghaun fand sich ein schussbereiter, großkalibriger Revolver. Inzwischen habe der 22-jährige Verdächtige die Tat gestanden, der Stiefsohn schweige und der 21-Jährige bestreite die Mittäterschaft. Gegen die drei Männer waren vor der Festnahme Haftbefehle wegen heimtückischen Mordes erwirkt worden.

Alle Verdächtigen seien vorbestraft. Detlef W. sei bereits 2005 wegen des Verdachts des Menschenhandels ins Visier des Bundeskriminalamts geraten. Dabei wurde bei ihm Munition des Kalibers 22 gefunden, wie sie auch bei dem Doppelmord im vergangenen Juni verwendet worden war.

Die Familie hatte ihr Vermögen nie zur Schau gestellt und lebte zurückgezogen in einer Wohnung im Düsseldorfer Süden. Sie hatte erst durch ein Steuerverfahren von den Aktivitäten ihres Verwandten im Rotlichtmilieu erfahren. Als das Finanzamt Einnahmen W.s aus dem Bordell auf die Spur kam, wurde dessen Wohnhaus in Burghaun mit 42.000 Euro Steuerschuld belastet. Durch den Grundbucheintrag erfuhr auch die Familie als Miteigentümer des Hauses vom Rotlicht-Engagement des Stiefsohns und hatte daraufhin die Enterbung betrieben.

ulz/dpa/dapd



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