Nach Randale im Düsseldorfer Rheinbad Ab Sonntag gilt Ausweispflicht

Ohne Ausweis kommt keiner mehr rein. Weil im Düsseldorfer Rheinbad eine Gruppe junger Männer und Jugendlicher wiederholt aggressiv auftrat, will sich die Stadt nun mit einer Ausweispflicht helfen.

Das Düsseldorfer Rheinbad. Ab Sonntag steht der Eingang nur noch offen für Menschen, die einen Ausweis dabei haben.
Rolf Vennenbernd/ DPA

Das Düsseldorfer Rheinbad. Ab Sonntag steht der Eingang nur noch offen für Menschen, die einen Ausweis dabei haben.


Ab Sonntag muss sich jeder Besucher ausweisen können, der das Düsseldorfer Rheinbad betreten möchte. Das bestätigte eine Sprecherin der Stadt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Das werde ein Stück weit eine disziplinierende Wirkung haben", hofft der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Am Freitag hatte die Polizei das städtische Bad bereits zum dritten Mal in knapp vier Wochen geräumt. Alle 1500 Besucher mussten gehen, weil erneut eine Gruppe junger Männer und Jugendlicher Ärger machte.

Die städtische Bädergesellschaft hatte die Polizei um Hilfe gebeten, weil die rund 60 Mann starke Truppe pöbelte und Bademeister bedrohte. Das seit ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit patrouillierende Sicherheitspersonal kam gegen die Gruppe nicht an. Es soll nun verstärkt werden.

Ein Polizeisprecher sagte, augenscheinlich habe es sich bei der Personengruppe um Jugendliche und junge Männer mit Migrationshintergrund nordafrikanischen Typus' gehandelt.

Infolge des Polizeieinsatzes am Freitag wurden zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet: eines wegen Beleidigung eines Polizisten, ein weiteres wegen Bedrohung und Beleidigung einer Bademeisterin.

Sprungturm besetzt, Schwimmmeisterin bedroht

Auslöser für die Tumulte war offenbar ein Streit um die Rutschbahn und den Sprungturm. Beides hatte die Gruppe für sich allein beansprucht. Als eine Schwimmmeisterin einschritt, wurde sie laut Polizeibericht bedroht und beleidigt. Daraufhin wurde der Notruf gewählt. Die Polizei rückte mit 20 Mann an.

Für Oberbürgermeister Thomas Geisel handelte es sich bei dem Vorfall am Samstag um eine Provokation. Er nannte das Machtgehabe der Gruppe "vollkommen inakzeptabel". Die Bürger müssten sich jederzeit in den Bädern der Stadt sicher fühlen. Er wolle am Montag in Gesprächen mit den Entscheidungsträgern im Rathaus weitere Konsequenzen beratschlagen.

Schon am letzten Juni-Wochenende hatten sich in dem Freibad mehrere Hundert Jugendliche und junge Männer aggressiv verhalten. Ihrer Sprache und ihrem Aussehen nach seien viele von ihnen nordafrikanischer oder arabischer Herkunft gewesen, hatte ein Polizeisprecher damals gesagt. Bei dem Vorfall sah sich ein 53-jähriger Familienvater plötzlich von einer schimpfenden Masse aus 400 Personen umringt. Am Ende eskortierte die Polizei seine Familie aus dem Bad.

Zuletzt ist es vermehrt zu Übergriffen in deutschen Freibädern gekommen. Auch deshalb warnt der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Schwimmbäder, Peter Harzheim, vor einer zunehmenden Aggressivität. "Die Stimmung in den Freibädern wird immer aggressiver", hatte Harzheim Ende Juni der "Rheinischen Post" gesagt. Seit etwa 10 bis 15 Jahren werde es von Jahr zu Jahr schlimmer, habe er festgestellt. "Das ist eine erschreckende Entwicklung. Wir müssen da knallhart durchgreifen."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass es sich laut Polizei bei den Störenfrieden ausschließlich um Menschen nordafrikanischer Herkunft gehandelt habe. Diese Information wurde inzwischen von der Nachrichtenagentur dpa korrigiert: Die Polizei habe mitgeteilt, es habe sich "augenscheinlich" um Personen mit Migrationshintergrund nordafrikanischen Typus' gehandelt. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

löw/dpa



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