Zehn Jahre nach Katastrophe in Duisburg Staatsanwaltschaft stimmt Einstellung von Loveparade-Prozess zu

Knapp zehn Jahre nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg mit 21 Toten will das zuständige Landgericht das Verfahren einstellen. Die Staatsanwaltschaft hat nun zugestimmt.
Kreuze mit Namen der Verstorbenen stehen auf einer Treppe an der Loveparade-Gedenkstätte

Kreuze mit Namen der Verstorbenen stehen auf einer Treppe an der Loveparade-Gedenkstätte

Foto: Fabian Strauch/ dpa

Die Staatsanwaltschaft Duisburg stimmt der Einstellung des Prozesses um die Loveparade-Tragödie zu. Angesichts der schweren Folgen der Tragödie und des damit verbundenen Leids sei diese Entscheidung nicht leichtgefallen, erklärte die Behörde .

Bei dem Unglück auf der Loveparade 2010 kamen im Gedränge 21 Menschen ums Leben, mehr als 650 wurden verletzt. Der Prozess vor dem Landgericht Duisburg ist einer der größten und aufwendigsten der Nachkriegszeit.

Vergangene Woche hatte das Landgericht vorgeschlagen, den Prozess einzustellen. Als Grund gab das Gericht Terminprobleme wegen der Infektionsgefahr mit dem Coronavirus an. Verhandlungen könnten zurzeit nur eingeschränkt stattfinden, da mehrere Beteiligte zur Risikogruppe gehörten, heißt es in einem Schreiben des Gerichts. "Für den Fall einer Fortführung wäre mit einer erheblichen Dauer des weiteren Verfahrens zu rechnen", so das Schreiben weiter.

Bis Montag sollen alle Prozessbeteiligten Stellung nehmen zu dem Vorschlag der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg. Selbst wenn alle Parteien einer Einstellung zustimmen, ist das Verfahren damit noch nicht beendet. Die Kammer wird in einem gesonderten Verhandlungstermin ihre Entscheidung verkünden. Das könnte an einem der nächsten Sitzungstage sein, dem 23. April oder dem 4. Mai.

Schuld der Angeklagten "gering"

Die Staatsanwaltschaft erklärte die Gründe für ihre Zustimmung in einem fünfseitigen Dokument . Folgende Punkte bezeichnet die Anklage als wesentlich für ihre Entscheidung: 

  • Für eine Veranstaltung dieser Größenordnung seien Raum und Konzept nicht geeignet gewesen; außerdem seien die Besucherströme fehlerhaft gesteuert worden. Dafür seien überwiegend die Angeklagten verantwortlich. Allerdings habe es sich um ein multikausales und schwer vorhersehbares Ereignis gehandelt

  • Die Angeklagten seien nicht vorbestraft und durch das jahrelange Verfahren und die öffentliche Diskussion erheblich belastet

  • Durch die Corona-Pandemie sei eine konkrete Gefährdung zahlreicher Verfahrensbeteiligter eingetreten, die obendrein die Verhandlung verzögern würde

  • Es stehe damit fest, dass ein Urteil vor der Verjährung des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung nicht mehr schaffbar sei. Hinsichtlich der fahrlässigen Körperverletzung könne die Verjährung zwar später eintreten, dies erscheine jedoch weniger bedeutsam.

Zusammengefasst: Angesichts der Gesamtumstände teile die Staatsanwaltschaft die Auffassung des Gerichts, dass die Schuld der Angeklagten als gering angesehen werden könne. Eine Fortführung des Verfahrens sei nicht mehr verhältnismäßig, insbesondere mit Blick auf die Strafe, die die Angeklagten bei einer Verurteilung zu erwarten hätten.

Im vergangenen Jahr war bereits das Verfahren gegen sieben Angeklagte eingestellt worden, gegen sie wurde keine Strafe verhängt. Drei Angeklagte, die eine Geldauflage in Höhe von etwa 10.000 Euro hätten zahlen sollen, hatten eine Einstellung abgelehnt. Gegen sie ging der Prozess weiter.

jjc/jpz/AFP
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