Duisburger Chefermittler Flucht ins Abseits

Heinz Sprenger gilt als einer der erfahrensten Kriminalbeamten Nordrhein-Westfalens: Er klärte die Duisburger Mafia-Morde auf und sorgte im Rockerkrieg für Ruhe - doch nun sucht er das Weite. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen lässt sich der 58-Jährige zur Schutzpolizei versetzen.
Kriminalist Sprenger (2007): "Er ist ein Vollprofi"

Kriminalist Sprenger (2007): "Er ist ein Vollprofi"

Foto: dapd

Duisburg - Es war im August 2007, als Deutschland zum ersten Mal die hässliche Fratze der Mafia sah. Bislang waren die Herren aus Süditalien vor allem als Gastronomen und Investoren in ihrer neuen Heimat aufgetreten, doch jetzt lagen sechs Erschossene auf der Straße vor der Duisburger Pizzeria "da Bruno" - und die Aufregung in Politik und Presse hätte kaum größer ausfallen können.

Heinz Sprenger aber blieb cool.

Der Erste Kriminalhauptkommissar, seit vielen Jahren Leiter des für Todesermittlungen zuständigen Duisburger Kriminalkommissariats 11, übernahm das Kommando über die zeitweilig 140 Mann starke Mordkommission "Mülheimer Straße". Sogar italienische Fahnder sowie Beamte des Landes- und Bundeskriminalamts folgten seinen Anweisungen. Noch heute schwärmt einer der Ermittler: "Es gibt in Duisburg keinen Besseren. Sprenger ist ein Vollprofi."

Doch der 58-jährige Kriminalist, der auch die tödlichen Schüsse auf den Bandido-Rocker Eschli E. aufklären konnte, lässt sich nun versetzen. Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wird er voraussichtlich vom 1. Dezember an als Dienstgruppenleiter auf einem Revier in Mülheim arbeiten. Sprenger selbst wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern, der Sprecher des Duisburger Präsidiums, Stephan Hausch, bestätigte den Vorgang jedoch.

Pure Verschwendung

Dass ein so erfahrener und über das Ruhrgebiet hinaus bekannter Ermittler nach mehr als drei Jahrzehnten wieder seine Uniform aus dem Schrank holt, um demnächst vor allem Streifenfahrten zu koordinieren, ist in etwa so, als würde Felix Magath bei den Sportfreunden Hamborn 07 anheuern. Man könnte auch sagen: Es ist pure Verschwendung von Wissen, Erfahrung und teuren Fortbildungen.

Zu den Hintergründen der von ihm betriebenen Versetzung schweigt Sprenger sich aus. Auch Präsidiumssprecher Hausch wollte sich dazu nicht näher äußern, nur so viel: "Der Kollege war ein Aktivposten unserer Firma. Dass er geht, ist sehr schade." Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) jedoch, mit der sich der seit Jahren im Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) organisierte Sprenger häufiger öffentlich gestritten hatte, sprang dem Ermittler bei.

In einer Erklärung deutete die DPolG an, dass Sprenger mit seinem als schwierig geltenden Chef, dem ebenfalls im BDK engagierten Leiter der Kriminalpolizei, wiederholt aneinandergeraten sein könnte: "Selbstherrlichkeit, Profilierungssucht, Empfindlichkeiten und charakterliche Mängel dürfen bei der Polizei und erst recht bei Führungskräften keine Rolle spielen", schreibt die Gewerkschaft recht unverhohlen an die Adresse des Leitenden Kriminaldirektors.

Und weiter heißt es in dem Brief: "Liebe Führungskräfte, Polizeimanager des höheren Dienstes, überdenkt endlich euren narzisstischen und egoistisch geprägten Führungsstil!" Auffällig sei in Duisburg die "anhaltende Abwanderung von Dienststellenleitern und eine wachsende Unzufriedenheit". Behördensprecher Hausch, dazu befragt, wollte "personelle Interna der Polizei" nicht kommentieren.

"Konsequente Aufsicht"

Sprenger war im vergangenen Jahr mit dem BDK-Orden "Bul le mérite" ausgezeichnet worden. Zusammen mit einem Mediziner hatte der Beamte das Frühwarnsystem "Riskid" entwickelt, das die Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern verhindern sollte. Datenschützer hatten das Projekt jedoch kritisiert.

Der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen bezeichnete Sprengers Ausscheiden aus der Kripo als "herben Verlust". Der Kollege sei immer ein "absolutes Vorbild" gewesen.

Sprengers Chef hatte übrigens im vergangenen Herbst noch mit einem zehnseitigen "Fachbeitrag" in der Behörde für Aufsehen gesorgt. Titel des Dokuments: "Konsequente Dienst- und Fachaufsicht in der Kriminalitätsbekämpfung macht Mitarbeiter erfolgreich."