Duisburger Mafia-Massaker Mutmaßlicher Weihnachtsmörder auf Waffen-Einkaufstour

In welcher Mission war Marco M. in Deutschland unterwegs? Die Schlüsselfigur im Mafia-Massaker von Duisburg soll aus Rache für einen Vendetta-Mord im Dezember 2006 hingerichtet worden sein - jetzt gehen Ermittler der Spur nach, wonach er sich in Deutschland mit Waffen eindecken wollte.


Rom - Marco M., der dem Clan Vottari-Pelle-Romeo angehörte, sei schon länger von der Polizei überwacht worden, berichtet die Zeitung "Corriere della Sera". Er habe in Deutschland Waffen kaufen und diese nach Italien schmuggeln wollen. Abgehörten Telefonaten zufolge war M. unter anderem auf der Suche nach Maschinenpistolen, die in der Blutfehde mit dem Clan Strangio-Nirta zum Einsatz kommen sollten. Seine Killer hätten jedoch zugeschlagen, bevor die Polizei zugreifen konnte, hieß es.

Schon unmittelbar nach der Tat hatte der italienische Innenmininister Giuliano Amato gesagt, der Mann sei vermutlich nach Deutschland geflohen, "um sich zu bewaffnen und zu verteidigen". Doch "diejenigen, die Rache üben wollten, erreichten ihn eher als die Justiz". Die neuen Details scheinen diese These zu bestätigen.

Marco M. soll an Weihnachten 2006 eine Hauptrolle bei der Ermordung von Maria Strangio gehabt haben, der 33-jährigen Ehefrau des verfeindeten Mafia-Paten Giovanni Nirta. Dies gilt italienischen Medien zufolge bei den Ermittlern bisher als Hauptmotiv für die Bluttat. Durch den Mord war die seit 16 Jahren dauernde Fehde zwischen den Familien Strangio-Nirta und Vottari-Pelle-Romeo neu aufgeflammt, die sogenannte Vendetta von San Luca - benannt nach der Hochburg der 'Ndrangheta, der kalabrischen Mafia.

Warum Marco M. als Verdächtiger nicht in Haft saß, ist unklar. Das Innenministerium in Rom wollte sich nicht dazu äußern. Auch ist bisher nicht sicher, ob die Täter eigens aus Italien nach Duisburg angereist waren, oder schon länger im Ruhrgebiet lebten.

Der italienischen Zeitung "La Repubblica" zufolge geht die Vendetta von San Luca allerdings über eine reine Familienfehde hinaus. In Wahrheit stecke dahinter ein Kampf um die Kontrolle des Handels mit Drogen aus Kolumbien. Die 'Ndrangheta ist weltweit führend im Kokaingeschäft.

Inzwischen gibt es erste Reaktionen auf ein von der deutschen Polizei veröffentlichtes Phantombild. Es zeigt den dunkelhaarigen Fahrer des Wagens, mit dem die Täter von Duisburg geflüchtet sein könnten. "Es gibt Hinweise, denen wir jetzt nachgehen", sagte Polizeisprecher Reinhard Pape.

Auf der Suche nach möglichen Hinweisen zu dem Sechsfachmord hat die italienische Polizei in der Nacht mehrere Häuser in dem kalabrischen Dorf San Luca durchsucht. Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, dass die Polizei auch mehrere Verdächtige und Verurteilte übrprüfte, die in der Region unter Hausarrest stehen. Aus dem 4000-Einwohner-Dorf stammen die beiden verfeindeten Clans, deren seit Jahren andauernde Fehde nach bisherigen Erkenntnissen zu den Morden in Duisburg führte.

Ministerpräsident Romano Prodi versicherte, die italienische Regierung habe einen "enormen Kampf" gegen das organisierte Verbrechen begonnen. Gleichzeitig rief er die jungen Menschen In Italien dazu auf, "dem Land zu helfen, um eine historische Veränderung zu erzielen".

pad/dpa

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