Sicherungsverwahrung nach Jugendstrafe Straßburger Richter prüfen Fall des Maskenmörders

Wegen Mordes an der zwölfjährigen Vanessa saß Michael W. in Jugendhaft, es folgte nachträgliche Sicherungsverwahrung. Die prüft der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte - und fordert laut SPIEGEL eine Stellungnahme der Bundesregierung.

Tatortbegehung mit Michael W. (2002): Menschenrechtsgerichtshof prüft Sicherungsverwahrung
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Tatortbegehung mit Michael W. (2002): Menschenrechtsgerichtshof prüft Sicherungsverwahrung


Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) prüft die nachträgliche Sicherungsverwahrung im Fall des sogenannten Maskenmörders Michael W., der 2002 die zwölfjährige Vanessa im bayerischen Gersthofen tötete. Michael W. war zur Tatzeit 19 Jahre alt; das Landgericht Augsburg verurteilte ihn 2003 zu zehn Jahren Jugendhaft. Eine Sicherungsverwahrung für Jugendstraftäter gab es damals nicht. Nachdem Michael W. seine Strafe verbüßt hatte, beantragte die Staatsanwaltschaft nachträgliche Sicherungsverwahrung.

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Heft 14/2015
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Der EGMR hat nach Informationen des SPIEGEL die Bundesregierung aufgefordert, zu dem Fall Stellung zu nehmen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.) Anschließend werden die Straßburger Richter prüfen, ob die andauernde Sicherungsverwahrung des inzwischen 32-Jährigen einen Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention darstellt. Es ist das erste Mal, dass sich der EGMR mit der Sicherungsverwahrung nach Jugendstrafrecht befasst.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
usfriend 29.03.2015
1. Alle diese Typen gehören für IMMER...
... -ohne Ausnahme- weggesperrt!!! Es gibt zu viele Beispiele von Vergewaltigern und Kinderschaendern, die "rückfällig" geworden sind!
studibaas 29.03.2015
2. Vielleicht irre ich mich...
Aber der europäische Gerichtshof beschäftigt sich NICHT erstmalig mit SV für Jugendstrafrecht sondern,- wie schon oft,- mit der mit der NACHTRÄGLICHEN SV. Für alle die sich nicht Unterschied nicht erschließt: Richter urteilen mit mit anschließender SV, der Herr (oder Dame) wird lebenslänglich weggeschlossen. Herr verhält sich während seiner Haft pissig. Ohne Gerichtsurteil wir anschließende SV angeordnet und von Richtern tw. nicht bestätigt,- DAS ist das Problem. In diesem Fall wurde es von einem Richter bestätigt, aber: Das zweite Problem ist, das Menschen eine Haftverschärfung bekommen mithilfe von Gesetzen die es vorher nicht gab. Das verstößt gegen die Rechtssicherheit, weil ja Richter für seine Tat eine Strafe festlegten und diese anschließend,- ohne neue Schuld und damit grundlos,- verlängert / verstärkt wird. Das ist in etwa so, als wenn ich einen Bussgeldbescheid bezahle wg. zu schnellen fahren und 10 Jahre später Bußgelder erhöht werden und ich daher,- nach über 10 Jahren,- nun plötzlich ein zweites mal zahlen soll. Und ja, ich habe bewusst so eine Bagatelle wie zu schnelles fahren genommen weil es systembedingt betrachtet dasselbe ist. Hier wird also mit nachträglich erlassenen Gesetzen und nach Begleichen der Strafe ein "Nachschlag" der aufgrund späterer Gesetze erlassen. Weiteres Beispiel: Früher war der Besitz von Gaswaffen legal. Später wurde er verboten. Es wurden nun aber nicht alle die sowas hatten von heute auf morgen kriminalisiert, sondern man konnte sie bei jeder Polizeiwache abgeben. Neue Gesetze für alten Taten sind sehr rechtlich betrachtet sehr schwer. Unabhängig wie ich zu der Tat stehe sollte man das beachten. Wenn man umbedingt jeden Kindermörder lebenslänglich wegschließen will braucht es dafür nur eine Gesetzesänderung. Lebenslänglich, bei guter Führung besteht die Hoffnung auf vorzeitige Entlassung. Das wäre OK. Andersrum, 10 Jahre, und evtl. mehr ohne das das jemals im Urteil stand geht gar nicht.
bejan 29.03.2015
3. Er soll einfach weiter drin bleiben...
Wenn es kein Grund zur Annahme gibt dass er mindestens 0,01% unschuldig war, dann soll er weiterhin in der Verwahrung bleiben. Für solche Menschen kann es keine Gnade geben. Mit 32 kann er ein neues Leben anfangen, darauf hat er bestimmt kein Recht ! Lasst ihn mit 65 raus, als Rentner, und dann auch nur mir gps implantiert.
erwin dunn 29.03.2015
4. na alles klar
Kann mich an diesen Fall nicht erinnern, sollte aber die Schuld zweifelsfrei feststehen und dieser Mann immer noch eine Gefahr darstellen, gehört er nicht auf die Allgemeinheit losgelassen, auch wenn er bereits eine Haftstrafe verbüßt hat.
spon-1180483865220 29.03.2015
5. 19 Jähriger in Jugendhaft, keine Menschenrechte für Opfer ...
... und zukünftig zu erwartende Opfer. Menschenrechte sind immer sehr um das Wohlergehen von Verbrechern besorgt. Das Opfer, seine Familie, sind vergessen. Schlimmer jedoch ist: die Bevölkerung muss es einfach hinnehmen dass gefährliche Menschen in ihrer Mitte freigelassen werden. Die freie Entfaltung der Verbrecher ist viel wichtiger als die Unversehrtheit der Unschuldigen gesetzestreuen Bevölkerung. Beim nächsten Mord eines 12 Jährigen Kindes mit 21 Messerstichen wird er wenigstens nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. /// Bei dem Täter bestehe weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit schwerster Gewalt- oder Sexualdelikte, sagte der Vorsitzende Richter in der mündlichen Urteilsbegründung. Der Verurteilte habe Gutachten zufolge große emotionale und soziale Defizite. Er fühle sich fremd in der realen Welt und ziehe sich daher in eine Phantasiewelt zurück.
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