Ehrenmord in Syrien Zwölf Männer sollen Schwangere erschossen haben

In Syrien sollen sich zwölf Männer zu einem Ehrenmord an einer Verwandten verabredet haben. Die Frau hatte einen von der Familie nicht akzeptierten Mann geheiratet. Sie war mit Zwillingen schwanger und wurde vor ihrem Haus erschossen.


Damaskus - Eine 30 Jahre alte Frau ist in Syrien von Verwandten erschossen worden, weil sie einen von ihrer Familie nicht akzeptierten Mann geheiratet hatte. Zu dem "Ehrenmord" an der mit Zwillingen schwangeren Frau und ihrem Ehemann sollen sich insgesamt zwölf Männer verabredet haben.

Laut einem Bericht der syrischen Zeitung "Al-Thawra" vom Dienstag sitzt bislang nur ein Bruder der Frau in Haft, der sich nach der Tat den Behörden gestellt hatte. Augenzeugen hatten jedoch ausgesagt, sie hätten am Tatort zwölf bewaffnete Männer gesehen.

Der inhaftierte Bruder des Opfers sagte nach Angaben von "Al-Thawra" aus, seine Schwester sei vor vier Monaten aus dem Haus der Familie in der Ortschaft Al-Kasir nahe der Stadt Homs verschwunden. Sie und ihr Ehemann hätten kurze Zeit später "Vermittler" zur Familie der Frau geschickt, um eine "Versöhnung" herbeizuführen. Ihre Bemühungen blieben jedoch vergeblich. Nach Darstellung des Bruders lauerte er der Schwester vor ihrem neuen Haus auf. Erst erschoss er sie. Dann zielte er auf ihren Ehemann.

Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Ehrenmorden, bei denen meist junge Frauen von Familienmitglieder getötet werden. Die Opfer haben durch ihr Verhalten aus Sicht der Verwandten dem Ansehen der Familie geschadet. Erst durch ihren Tod kann die Familienehre wieder hergestellt werden.

In Syrien fielen laut der Menschenrechtsorganisationen Amnesty International im vergangenen Jahr 13 Frauen und ein Mann sogenannten Tötungen aus Gründen der Familienehre zum Opfer.

Die Mörder mussten bislang kaum mit Strafen rechnen. Im Juli 2009 hat Präsident Baschar al-Assad jedoch ein Dekret erlassen, wonach an Ehrenmorden beteiligte Gewalttäter künftig für mindestens zwei Jahre ins Gefängnis müssen. Aus Sicht von Menschenrechtsorganisationen ist diese Bestrafung aber immer noch zu milde.

bac/dpa



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