"Ehrenmord" Mann erschießt Geliebten seiner Schwester

Ihre Liebe war geheim, beide waren verheiratet: Ein Mann erschoss den Geliebten seiner Schwester. Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilte den 34-Jährigen zu lebenslanger Haft. Die Tat gleiche einer "öffentlichen Hinrichtung", hieß es.


Nürnberg - Die Verteidigung des Mannes hatte auf Totschlag plädiert und eine Strafe im einstelligen Bereich gefordert. Die Anklage hatte dem 34-Jährigen vorgeworfen, den Geliebten seiner Schwester mit vier Schüssen aus einem Revolver ermordet zu haben. Zuvor habe er das Auto des Gastwirts gerammt. Er habe die Beziehung der beiden abgelehnt, da sie mit jeweils anderen Partnern verheiratet waren. Zudem sei das Opfer Christ, die Frau aber Muslima gewesen. Nachdem Drohungen nicht genützt hätten, habe der 34-Jährige beschlossen, den Mann zu töten, hieß es in der Anklage.

Der Beschuldigte hatte im Verlauf des Prozesses eingeräumt, den Geliebten seiner Schwester am 5. Mai 2007 erschossen zu haben. Er behauptete allerdings, er habe sich vom seinem Opfer bedroht gefühlt, außerdem habe der Mann seine Schwester zu der Beziehung gezwungen.

Seine Schwester, die in der Gaststätte des Opfers gekellnert hatte, bestätigte dies vor Gericht. An ihrer Aussage waren allerdings während der Verhandlungen Zweifel aufgekommen. So befand sie sich zwischenzeitlich wegen des Verdachts der Falschaussage in Untersuchungshaft.

Die Familie des Opfers und andere Zeugen berichteten dagegen, dass die Beziehung freiwillig gewesen sei. Auch die Verteidigung kritisierte die Schwester des Angeklagten und Geliebte des Opfers: "Nach außen hin hat sie die Geliebte gespielt, und bei der eigenen Familie hat sie die Unterdrückte und Vergewaltigte gegeben."

Für diesen so genannten "Ehrenmord" auf offener Straße wurde der 34-jährige Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass es sich bei der "öffentlichen Hinrichtung" um einen Mord gehandelt hat.

jjc/AP



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