Mordprozess in Hildesheim Mohammed O. zu lebenslanger Haft verurteilt

Mohammed O. hat den Liebhaber seiner Frau erschossen, um die Familienehre zu retten - da ist sich das Landgericht Hildesheim sicher. Der 38-Jährige wurde nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein mutmaßlicher Komplize ist noch auf der Flucht.
Mohammed O. bei Prozessbeginn Anfang Juni: Tödliche Familienbande

Mohammed O. bei Prozessbeginn Anfang Juni: Tödliche Familienbande

Foto: Peter Steffen/ dpa

Hildesheim - Der Angeklagte im Sarstedt-Mordprozess muss lebenslang in Haft. Das Landgericht Hildesheim sah es als erwiesen an, dass Mohammed O. den Liebhaber seiner Frau am Neujahrstag 2012 zur Rettung der Familienehre kaltblütig erschossen hat. Der 38-Jährige verweigerte während des gesamten Prozesses die Aussage.

"Die Kammer ist sich sicher, dass der Angeklagte die Tat begangen hat", sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl. "Es war eine öffentliche Exekution, eine absolut brutale, widerliche Tat." Die Kammer folgte mit ihrem Urteil weitestgehend den Forderungen des Staatsanwalts. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Am 1. Januar war der 35-jährige Syrer Abdulkader D. an einer roten Ampel im niedersächsischen Sarstedt erschossen worden. Laut Anklage hat Mohammed O. die Tat gemeinsam mit einem Komplizen begangen. Ein Verdächtiger, der Mann einer Schwester des Opfers, ist noch auf der Flucht.

Das Opfer hatte ein Verhältnis mit der Frau des Angeklagten und war mehrmals mit ihr durchgebrannt. Die Familienclans des Schützen und des Opfers waren bis zu der Bluttat eng verbandelt. Der mutmaßliche Komplize ist zugleich der Schwager von Mohammed O. "Ich habe noch nie erlebt, dass mich so viele Zeugen angerufen und gefragt haben, ob sie aussagen müssen", sagte Pohl in der Urteilsbegründung. Sie hätten Angst vor Rache gehabt.

Im Gerichtssaal kam es kurz vor Ende der Urteilsverkündung zu heftigen Tumulten. Angehörige brüllten die Richter an, der Saal wurde geräumt, Polizeihunde kamen zum Einsatz. Auf dem Flur rissen aufgebrachte Zuschauer Tische und Stühle um. Die Bereitschaftspolizei rückte mit mehreren Mannschaftswagen an, um die Gruppe aufzulösen.

aar/hut/dapd/dpa
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