Ehrenmord Türke erschießt seine Schwester

In Wiesbaden hat ein 24-jähriger Türke seine Schwester getötet, weil sie die Freundin eines Deutschen war. Der Mann hat die Bluttat inzwischen eingeräumt. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen.


Wiesbaden - Wie die Staatsanwaltschaft Wiesbaden heute mitteilte, empfand der Täter das Verhältnis seiner 20-jährigen Schwester mit einem Deutschen als "unehrenhaft". Die junge Frau war am Montagmittag in einer Hütte in einem Gartengelände erschossen worden. Sie wurde fünf Mal getroffen, darunter zwei Mal in den Kopf und ein Mal in den Bauch.

Der Verdacht hatte sich schnell gegen den Bruder gerichtet. Er hatte offenbar eine Aussprache mit der Schwester gesucht. Dabei war es den bisherigen Ermittlungen zufolge um die Verbindung der jungen Frau zu einem 28 Jahre alten Deutschen gegangen. Die junge Türkin und der Deutsche waren laut Polizei seit etwa sieben Monaten miteinander befreundet. Der Freund, der sich während der Aussprache in der Nähe aufgehalten hatte, fand die junge Frau blutüberströmt in der Hütte. Der 24-Jährige war nach dem Tod seiner Schwester geflohen, hatte sich aber kurz darauf der Polizei gestellt.

Von 1999 bis 2004 seien in Deutschland 45 Morde gezählt worden, die als Sühne für angebliche Ehrverletzungen begangen wurden, sagte Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) und betonte: "Für Verbrechen, die angeblich im Namen der Ehre begangen werden, darf es keine Toleranz geben." Die CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler strebt ein Gesetz an, damit Tötungen aus "Ehrgründen" grundsätzlich als Mord gewertet werden. Der Rechtsunsicherheit der Gerichte, die oft zwischen Strafmilderung und der Annahme von Mordmerkmalen schwankten, müsse beendet werden, sagte sie.



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